Möglichkeiten prüfen

Noch keine Entscheidung zum Rückbau des Reaktor-Gebäudes Rheinsberg

Die Energiewerke Nord GmbH (EWN) hat noch keine Entscheidung zum Abriss des Reaktor-Gebäudes im ehemaligen Kernkraftwerk Rheinsberg getroffen. Es würden verschiedene Möglichkeiten geprüft, sagte Sprecher Marlies Philipp am Mittwoch auf ddp-Anfrage.

Stromtarife© Gina Sanders / Fotolia.com

Potsdam (ddp-lbg/sm) - Dabei gehe es die Überlegung, das Gebäude aufgrund seiner radioaktiven Belastung vorerst noch stehenzulassen. Die Strahlung könne dann zunächst von selbst abklingen, bevor das Haus abgerissen werde.

Das RBB-Magazin "Brandenburg aktuell" hatte zuvor berichtet, das Reaktor-Gebäude solle stehenbleiben. Die Betonkonstruktion sei stärker radioaktiv belastet als ursprünglich angenommen. Ein Abriss müsse demnach unter Strahlenschutzbedingungen erfolgen. Die EWN erwäge deshalb aus Kostengründen, die Strahlung abklingen zu lassen und das Gebäude erst zu einem späteren Zeitpunkt abzureißen. Gerechnet werde mit mehreren Jahrzehnten, sagte der zuständige Abteilungsleiter Jörg Möller dem Sender.

Auf Kraftwerksgelände soll Klimazentrum entstehen

Am Dienstag hatte ein Experte der Fachhochschule ein Nachnutzungskonzept für das ehemalige KKW-Gelände in einem Wald bei Rheinsberg vorgestellt. Demnach könnte auf dem Areal ein Innovationszentrum für Klimafolgen-Anpassung entstehen. Philipp begrüßte den Vorschlag. Das Vorhaben wäre auch realisierbar, wenn das Reaktor-Gebäude stehenbliebe. Die anderen Häuser könnten unabhängig davon wie früher als Büros und Labore genutzt werden.

Philipp fügte hinzu, die Nachnutzung liege nicht in Händen der EWN. Das Unternehmen sei im Auftrag des Bundes dafür zuständig, sämtliche radioaktiv belasteten Bauteile zu entfernen. Die wesentlichen Elemente des ehemaligen KKW wie der kontaminierte Reaktordruckbehälter seien bereits abtransportiert worden. Das Reaktor-Gebäude werde derzeit noch untersucht.

Die EWN baut neben Rheinsberg auch das zweite nach der Wende stillgelegte ostdeutsche Kernkraftwerk in Lubmin (Mecklenburg-Vorpommern) zurück. Die Entsorgung der insgesamt sechs kontaminierten Atommeiler kostet rund 3,2 Milliarden Euro.

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