Preise

Niedrige Energiekosten entlasten Verbraucher

Der Ölpreis ist erneut gesunken und das macht sich besonders beim Heizöl und auch an den Tankstellen bemerkbar. Aber auch Gas ist günstiger geworden und zum ersten Mal in diesem Jahrtausend ist auch der Strompreis nicht weiter gestiegen.

Strom- und Gaspreise© Kautz15 / Fotolia.com

Berlin (dpa/red) - Jahrelang haben steigende Preise für Benzin und Diesel, Öl, Gas und Strom die Verbraucher in Deutschland gequält. Doch das ist vorbei. Die Belastung der privaten Haushalte durch Energiekosten hat bereits im Jahr 2012 ihren Höhepunkt erreicht und ist seitdem rückläufig. Erst ganz langsam, dann immer schneller sind die Kosten für die Verbraucher gesunken.

Ölpreis sinkt auf Niveaus von 2005 und 2009

In diesem Jahr ist es vor allem die spektakuläre Ölpreis-Entwicklung, die sich bei den Autofahrern und Heizölkunden spürbar bemerkbar macht. Ein Barrel (159 Liter) der Nordsee-Sorte Brent ist ungefähr 40 Prozent billiger als vor einem Jahr und kostet kaum mehr als 40 Dollar. Solche Preise haben die Märkte zuletzt 2009 gesehen. Oder 2005. Dazwischen war es stets teurer, teilweise sogar sehr viel teurer. Mehr als drei Jahre lang, von Anfang 2011 bis zum Sommer 2014, lag der Ölpreis meistens jenseits der 100 Dollar. Das ist auf absehbare Zeit vorbei.

Verbraucher spüren Niedrigpreise bei Benzin und Heizöl

Die gesunkenen Ölpreise kommen auch bei den Verbrauchern an. "Die Tankstellen haben die gesunkenen Einkaufspreise für Benzin und Diesel und damit die niedrigen Ölpreise eins zu eins an die Verbraucher weitergegeben", sagt Christian Küchen, Hauptgeschäftsführer des Mineralölwirtschaftsverbandes (MWV). Im Durchschnitt des Jahres ist der Benzinpreis (Super E10) von 1,48 auf 1,36 Euro je Liter gesunken.

Aktuell liegt er bei 1,27 Euro. Diesel verbilligte sich im Jahresdurchschnitt von 1,34 auf 1,17 Euro je Liter und kratzt zeitweise hier und da an der Ein-Euro-Marke. Und Heizöl kostet erstmals seit 2009 wieder weniger als 50 Euro für 100 Liter (bei Abnahme von 3000 Litern, inkl. MwSt.).

MWV: Haushalte sparen 10,2 Milliarden jährlich

Allein die Einsparungen der privaten Haushalte durch die gesunkenen Preise für Ölprodukte summieren sich nach Berechnungen des MWV auf rund 10,2 Milliarden Euro: 6,7 Milliarden Euro bei Kraftstoffen und 3,5 Milliarden Euro bei Heizöl. Die Nachfrage blieb dabei weitgehend konstant; wie im Vorjahr werden in Deutschland rund 109 Millionen Tonnen Ölprodukte verbraucht. Doch die Rechnung für Rohölimporte fiel schon nach neun Monaten um 13 Milliarden Euro geringer aus. Von den gesunkenen Ölpreisen profitieren nicht nur Verbraucher, sondern auch Unternehmen und die Volkswirtschaft insgesamt.

Preissenkungen bei Gasanbietern

Ähnliche Einsparungen wie beim Öl sind bei Gas und Strom nicht drin. Doch auch Erdgas wird nicht teurer, sondern billiger, wenngleich die Preise nur langsam abschmelzen. Der Index der Gas-Verbraucherpreise des Internetportals Verivox weist einen aktuellen Durchschnittspreis von 6,4 Cent je Kilowattstunde (kWh) aus, das ist etwas weniger als in den drei Vorjahren (bei Verbrauch von 20 000 kWh). Zum Jahresende haben 150 von 700 Versorgern Preissenkungen angekündigt, aber nur von durchschnittlich 4,5 Prozent. "Wir beobachten in diesem Jahr einen geringfügigen Rückgang der Gaspreise, der sich über die Heizperiode auch bis Anfang 2016 fortsetzt", sagt Jan Lengerke, Mitglied der Geschäftsleitung bei Verivox.

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Strompreise fällt zum ersten mal in diesem Jahrtausend

Und selbst der drastische Anstieg der Strompreise in den vergangenen Jahren ist zum Stillstand gekommen. Mit durchschnittlich 27,95 Cent/kWh zahlen die Verbraucher etwas weniger als im Vorjahr (28,38 Cent/kWh - bei Verbrauch von 4000 kWh). Es ist das erste Mal in diesem Jahrtausend, dass der Strompreis fällt. Zuvor hatte er sich - vor allem durch staatliche Abgaben für den Ausbau der regenerativen Energien - seit dem Jahr 2000 mehr als verdoppelt.

Entlastungen von ca. 12 Euro im Monat

So ist für den Verbraucher in diesem Jahr alles gut: Ölprodukte werden deutlich billiger, Gas und Strom wenigstens ein bisschen. Damit geht eine Entlastung der Haushalte einher, die wie ein kleines Konjunkturprogramm für den privaten Konsum wirkt. Schon im vergangenen Jahr reduzierten sich die Energiekosten der Haushalte von 122,3 auf 116,9 Milliarden Euro. Je Haushalt bedeutete das eine Entlastung von 135 Euro im Jahr oder 12 Euro im Monat (Abweichungen durch Rundungsdifferenzen). Monatliche Energieausgaben von 245 Euro je Haushalt bedeuteten 2014 jedoch den dritthöchsten Wert aller Zeiten, nach jeweils 257 Euro in den Jahren 2012 und 2013.

In diesem Jahr dürfte der Rückgang sehr viel kräftiger ausfallen. Damit bekommen die Energieausgaben auch wieder das Gewicht im Haushaltsbudget, das sie im langfristigen Vergleich meistens hatten: Zwischen sechs und sieben Prozent der gesamten privaten Konsumausgaben. Im vergangenen Jahr hatten die Haushalte 7,3 Prozent ihrer Ausgaben für Energie aufgewendet und 2012 sogar 8,0 Prozent.

Quelle: DPA

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