Zuständigkeiten

Niedersachsen kritisiert fehlende Netzanbindung von Offshore-Windparks

Der Ausbau des Stromnetzes ist zur umfassenden Integration des Stroms aus erneuerbaren Energien notwendig, das verdeutlichte die gestern von der dena veröffentlichte Studie erneut. Doch wer ist für die Sicherstellung der Netzanbindung zuständig? Niedersachsen sagt, der Bund. Der Bund sagt, Niedersachsen.

Strompreise© Andre Bonn / Fotolia.com

Hannover/Berlin (ddp-nrd/sm) - Niedersachsens Umweltminister Hans-Heinrich Sander (FDP) hält das Konzept der Bundesregierung bei der Entwicklung der Windenergie für unrealistisch. In der Nordsee genehmige die Bundesregierung derzeit einen Offshore-Windpark nach dem anderen, ohne dass die notwendige Netzanbindung sicher gestellt sei, sagte Sander in Hannover. Es gebe kein überzeugendes Konzept, wie die vorgesehenen gewaltigen Energiemengen aus der Nordsee zu den Verbrauchszentren geführt werden könnten.

Seine Kritik werde von den bisherigen Ergebnissen einer Studie der Deutschen Energie-Agentur (dena) bestätigt, sagte Sander. Danach müssten rund 850 Kilometer zusätzliche Hochspannungsleitungen gebaut werden, um den Strom aus der Nordsee ins Binnenland transportieren zu können. Dies muss den Angaben zufolge zum großen Teil über niedersächsisches Gebiet erfolgen.

Die Menschen befürchteten einen Wildwuchs von neuen Hochspannungstrassen, betonte Sander. Für ihn hätten die Verstärkung vorhandener Stromtrassen und der Lückenanschluss Vorrang vor dem Neubau. Unvermeidbare neue Trasse dürften nur im Dialog mit den Menschen errichtet werden, forderte der Minister. Er fügte hinzu: "Alle technischen und wirtschaftlich sinnvollen Möglichkeiten müssen dabei geprüft und ausgeschöpft werden."

Das Bundesumweltministerium reagierte auf Sanders Vorwürfe indes mit Unterverständnis: "Herr Sander hat ein klassisches Eigentor geschossen. Zu aller erst sollte er sich und seine Landesbehörden fragen, wo die notwendigen Netzanschlusskonzepte bleiben, bevor er mit dem Finger auf die Bundesregierung zeigt. Für die Netzausbauplanung und die Kabelanbindung der Offshore-Windparks im Küstenmeer und an Land ist nämlich das Land Niedersachsen ganz allein zuständig", sagte ein Sprecher.

Das könnte Sie auch interessieren
  • Hochspannungsleitung

    Eingriffe in das Stromnetz verteuern Strompreis

    Eingriffe in das Stromnetz durch die Netzbetreiber werden immer häufiger notwendig. Das kommt auch dem Verbraucher teuer zu stehen, denn die sogenannten "Redispatchmaßnahmen" werden letztendlich über den Strompreis finanziert.

  • Hochspannungsmasten

    Stromautobahnen: Öffentliches Gespräch für dritte Trasse beginnt

    Drei Stromautobahnen sollen bald den Ökostrom aus dem Norden des Landes in den Süden bringen. Für die Trasse, die von Emden in Niedersachsen bis nach Philippsburg in Baden-Württemberg führen soll, startete der öffentliche Dialog.

  • Energieversorung

    Schwarzmalerei und Nebenwirkungen: Reaktionen auf die dena-Windstudie

    Die von der dena heute in Berlin vorgestellte Windenergie-Studie hat bei Politik und Wirtschaft verschiedene Reaktionen ausgelöst. Während Greenpeace, das Umweltministerium und der Technikverband VDMA durchaus positive Signale sehen, erwarten FDP und VDEW eine Überarbeitung der Förderprogramme.

  • Hochspannungsleitung

    Großes Potenzial: dena stellt umstrittene Windenergiestudie vor

    Die dena hat heute ihre umstrittene Studie "Energiewirtschaftliche Planung für die Netzintegration von Windenergie in Deutschland an Land und Offshore" vorgestellt und damit eine machbare Weiterentwicklung des Gesamtsystems präsentiert. Fazit: Ein 20-prozentiger Anteil erneuerbarer Energien bis 2015 ist machbar.

  • Energieversorung

    dena auf Leitmesse Energy in Hannover aktiv

    Vom 11. bis zum 15. April findet die Hannover Messe statt, offizielles Partnerland und damit zentraler Schwerpunkt ist Russland. Das Land wird sich mit einer umfassenden Technologiepräsentation auch an der Energy, der Internationalen Leitmesse der Energietechnik, Erneuerbaren Energien und Energiewirtschaft, beteiligen.

Top