1. Halbjahr 2006

Neuordnung der Kohlepolitik: RAG will an die Börse

Mit einem Börsengang will sich der Essener Energie- und Chemiekonzern RAG von der wirtschaftlichen Verantwortung für den Steinkohlenbergbau trennen. Dazu sollen die Eigentümer ThyssenKrupp, E.ON und RWE ihre Aktien zu einem symbolischen Preis von jeweils einem Euro an ein Bankenkonsortium verkaufen.

Hochspannungsleitung© Gina Sanders / Fotolia.com

Hamburg/Berlin (ddp-nrw/sm) - Der Essener Mischkonzern RAG will an die Börse gehen. Dieser Schritt ist Teil einer Neuordnung der Kohlepolitik, wie am Wochenende mehrere Medien berichteten. Das Unternehmen bestätigte inzwischen seine Börsenpläne. Der Börsengang der RAG ist in mehreren Teilschritten geplant: Mindestens 25 Prozent der Anteile sollen im ersten Halbjahr 2006 platziert werden, mindestens weitere 49 Prozent bis Ende 2008.

Spätestens im ersten Halbjahr 2006 soll das Unternehmen als neuer DAX-Wert an der Börse platziert werden. Darauf hat sich RAG mit seinen Eigentümern geeinigt. Demnach würden ThyssenKrupp, E.ON und RWE ihre Aktienpakete an der RAG, Deutschlands einzigem Betreiber von Steinkohle-Zechen, für den symbolischen Preis von je einem Euro an ein Bankenkonsortium abgeben.

Die Institute sollen die Anteile im Auftrag der RAG zunächst treuhänderisch abgeben. Den Erlös, der auf fünf bis sechs Millionen Euro geschätzt wird, erhielte komplett der Bund, der im Gegenzug die Altlasten aus dem Kohlebergbau der RAG übernähme. Diese drohenden Risiken werden über Jahrzehnte fällig und belaufen sich auf einen Barwert von heute etwa vier Milliarden Euro.

Diese möglichen Verluste führen bisher dazu, dass RAG nur teure Kredite bekommt, was einen erheblichen Wettbewerbsnachteil darstellt. Zudem sollen die Eigner der RAG die Möglichkeit erhalten, auch ihre Altlasten, die aus Bergbauaktivitäten vor 1968 stammen, an den Bund abzugeben. Voraussetzung dazu wäre jedoch, dass sie dafür aus ihren Rücklagen einen entsprechenden Preis bezahlen.

Die Vermögenswerte der nicht subventionierten RAG-Sparten Chemie, Kraftwerksbau und Stromerzeugung, Immobilen und Bergbautechnik, die dann nicht mehr für die Kohlefinanzierung und -Risiken in Anspruch genommen werden können, liegen derzeit den Angaben nach bei insgesamt neun Milliarden Euro.

Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Peer Steinbrück (SPD) begrüßte die Börsenpläne. "Das ist eine gute Nachricht, vor allem für das Ruhrgebiet", erklärte Steinbrück am Samstag in Düsseldorf. Die RAG sei einer der größten und wichtigsten Arbeitgeber in NRW. Wenn dieses Unternehmen jetzt langfristig auf Wachstum setze, so eröffne sich auch für viele Menschen in der Region eine verlässliche Zukunftsperspektive. Die Ankündigung der RAG sei "eine mutige unternehmerische Entscheidung".

Von Marlies Moser

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