Neuer Wettbewerber will Strommaklerprinzip kippen: "Electryon" vermittelt kostenlos Billigstrom-Anbieter für kleine und mittlere Unternehmen

Energieversorung© Gina Sanders / Fotolia.com
Mit Markteintritt des Stromvermittlers "Electryon" AG gewinnt der angeheizte Wettbewerb auf dem deutschen Strommarkt vielleicht eine neue Dynamik: Als erster deutscher Stromvermittler beschafft "Electryon" kleinen und mittleren Unternehmen bundesweit kostenlos Billigstrom. Damit kippt "Electryon" das bisherige Strommaklerprinzip - den Aufwand des Vermittlers trägt erstmals nicht der Kunde, sondern der neue Energieversorger. Das Unternehmen ist derzeit zwar nur in den Großräumen Berlin und Essen tätig, nimmt aber gleichwohl Anfragen aus der gesamten Bundesrepublik entgegen.


Das in Berlin ansässige Stromvermittlungsunternehmen bietet kleinen und mittleren Unternehmen mit einem Stromverbrauch von mindestens 3000 und maximal 150.000 Kilowattstunden pro Jahr seine Dienstleistung an - also jenen, die bisher kaum einen oder gar keinen Vorteil von der Liberalisierung des Strommarkts hatten. Auch bei der Redaktion des Strom-Magazins gehen immer wieder Anfragen bezüglich Preisvergünstigungen für mittlere und vor allem kleinere Unternehmen ein; die Klage "Die Energieversorgungsunternehmen bieten nur Strom für Privatkunden an" kehrt immer wieder. Günstiger Strom aber wird bisher nur der Industrie, dem Mittelstand und den Privathaushalten offeriert - kleine und mittlere Unternehmen werden bis dato nicht umworben. Wollten diese die Chancen des Strommarktes nutzen, müssten sie selbst aktiv werden und zusätzlich Personal und Zeit investieren. Diese Ressourcen aber stehen kleinen und mittleren Unternehmen oft nicht zur Verfügung - wobei freilich eine Reduzierung der Stromkosten ihre Wettbewerbsfähigkeit steigern würde.


Jens Greve, Vorstandsmitglied der "Electryon"-Aktiengesellschaft: "Electryon hat die fehlende Chancengleichheit erkannt und will die Interessen dieser schwächsten Gruppe im Wettbewerb stärken". Demnach erhöhe "Electryon" einerseits die Verhandlungskraft der Zielgruppe durch Bündelung zahlreicher Kunden zu Strompools, deren Anzahl und Umfang nachfrageorientiert ausfällt. Derart sichere man ihnen "das Recht auf günstigere Strompreise". Zugleich gibt "Electryon" an, auf die Provision seiner Kunden zu verzichten - in der Branche der Strommakler ein Novum. Das der "Electryon" AG zustehende Honorar trage der künftige Energieversorger, dem man den neuen Strombezugsvertrag - und also die neuen Kunden - ermöglicht habe. "Wir arbeiten mit den wichtigsten Anbietern zusammen", versichert das Unternehmen.


Ebenso wie die Vermittlung von billigem Strom bietet "Electryon" sein Vertragscontrolling kostenfrei an. Rechtzeitig vor Ablauf des vermittelten Strombezugsvertrages von beispielsweise einem Jahr bietet "Electryon" von sich aus seinen Kunden an, den Strombezugsvertrag auf Einsparpotentiale zu überprüfen. Eine langfristige Vertragsdauer zwischen den Kunden und Electryon besteht jedoch nicht: Die Kunden sollen nicht vertraglich gebunden, vielmehr erlischt der Stromvermittlungsauftrag, sobald neuer Strom vermittelt ist. Mit dem Prinzip, Strombezugsverträge erstmals provisionsfrei zu vermitteln, setzt "Electryon" eigenen Angaben zufolge unter Strommaklern "neue Maßstäbe".


Die "Electryon" AG wurde am 14. April dieses Jahres in Berlin gegründet. Das Grundkapital beträgt 60.000 EUR und ist in 60.000 Stückaktien eingeteilt. Alleinige Aktionäre sind Rechtsanwalt Jens Greve und Diplom-Wirtschaftsingenieur Karsten Sonnadara, die zugleich Vorstände sind. Das Unternehmen beschäftigt derzeit 12 Mitarbeiter.


Thomas Liebau

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