Zersplittete Kompetenzen

Neuer EDF-Chef will Führung in Frankreichs Atomindustrie

Der designierte neue Chef des Energiekonzerns EDF, Henri Proglio, will mit seinem Unternehmen die Führung in Frankreichs Atomindustrie übernehmen. "Die gesamte Branche muss sich hinter EDF einreihen", sagte Proglio der Zeitung "Les Echos" (Montagausgabe).

Strompreise© Andre Bonn / Fotolia.com

Paris (afp/red) - "In ihrer derzeitigen Gestalt funktioniert die Atomindustrie nicht." Proglio kritisierte "eine gewisse Unordnung" und "zersplitterte Kompetenzen". Seine Äußerungen sind eine offene Kampfansage an den Kraftwerksbauer Areva, der sich mit EDF seit Jahren über die Führungsrolle in dem Bereich streitet.

Der seit dem Morgen tagende EDF-Verwaltungsrat sollte Proglio am Montag offiziell zum Nachfolger des bisherigen Konzernchefs Pierre Gadonneix machen. Mit seinen Forderungen nach einer Führungsrolle für EDF geriet der bisherige Chef des Kommunalversorgers Veolia schon mehrfach mit Wirtschaftsministerin Christine Lagarde aneinander. Sie hatte am Freitag gesagt, Proglio habe bei EDF an sich schon genug zu tun und solle sich um seine Angelegenheiten kümmern. Auf Kritik stößt auch, dass der 60-jährige Proglio eine deutlich höhere Bezahlung als sein Vorgänger Gadonneix fordert.

Zu EDF selbst kündigte Proglio an, er wolle aus einer "börsennotierten Behörde" jetzt endlich "ein Unternehmen" machen. Er bekräftigte dabei auch seinen Plan, den Konzern an Veolia anzunähern, "ohne bis zu einer Fusion zu gehen". Nach anfänglichem Widerstand darf Proglio trotz der Übernahme der EDF-Führung jetzt bei Veolia weiter Chef des Verwaltungsrates bleiben.

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