Neue Zentrale Netzführung der EAM nimmt Arbeit auf

Hochspannungsmasten© Günter Menzl / Fotolia.com
Kurz vor dem Jahrtausendwechsel hat eine neue Ära in der Geschichte der technischen Entwicklung bei der Energie-Aktiengesellschaft Mitteldeutschland (EAM, Kassel) begonnen: Nach über dreijähriger intensiver Planungs- und Bauzeit wurde dieser Tage im hessischen Baunatal die neue Zentrale Netzführung der EAM der Öffentlichkeit vorgestellt. In Zukunft wird der Schaltbetrieb im Hoch- und Mittelspannungsnetz der EAM von zwei neuen Netzleitstellen in Baunatal und Kassel aus zentral gesteuert und überwacht. Über zehn Millionen Mark investierte das Unternehmen in das Projekt.


Für die Kunden der EAM bringt die neue Technik vor allem eine kürzere Reaktionszeit im Störungsfall und ein erweitertes Dienstleistungsangebot. Unter der Telefonnummer 01801-326326 wurde jetzt eine EAM-weit einheitliche Störungsnummer eingerichtet. Jeder der rund 700.000 EAM-Kunden kann hier zum Ortstarif eine Störung der Energieversorgung melden, die dann von den Schaltmeistern der Netzleitstelle und dem Personal des zuständigen Kundenbezirks unverzüglich bearbeitet und behoben wird. Über ein interaktives Sprachdialogsystem können Kunden auch über eine aktuelle Störungssituation, zum Beispiel bei größeren Störungen im Mittelspannungsnetz, bestmöglich informiert werden.


Für die EAM bringt die Zentralisierung der Netzführung besonders eine Senkung der Betriebs- und Personalkosten im Vergleich zur bisherigen dezentralen Netzführung, einen geringeren Koordinierungsaufwand bei gebietsübergreifenden Schaltungen und beim Einsatz der zentralen Störungsdienste sowie eine verbesserte Netzplanung durch EAM-weite Schwachstellenanalyse nach einheitlichen Kriterien. Darüber hinaus können zukünftige Anforderungen an die Netzführung im liberalisierten Markt, unter anderem das Durchleitungsmanagement, besser erfüllt werden.


Auch neue Dienstleistungen, zum Beispiel das Angebot der EAM an kommunale Partner und Sondervertragskunden, die Betriebsführung elektrischer Netze im Rahmen von Betriebsführungsverträgen zu übernehmen, sowie die Prozess-, Objekt- und Gebäudeüberwachung für Kunden, werden durch die neue Technik möglich.


Die räumliche Trennung der Zentralen Netzführung auf zwei Standorte - das EAM-Zentrum in Baunatal und die EAM-Hauptverwaltung in Kassel - hat ausschließlich Sicherheitsgründe. Von beiden Standorten aus kann das Hoch- und Mittelspannungsnetz der EAM überwacht und alle Schaltungen durchgeführt werden. In den beiden Netzleitstellen werden insgesamt 24 Schaltmeister tätig sein. In Kassel wird ein Zweischicht-, in Baunatal ein Dreischichtsystem eingerichtet, da in Zeiten geringer Aktivitäten im Netz - also zum Beispiel nachts, an Wochenenden und an Feiertagen - nur die Netzleitstelle Baunatal rund um die Uhr besetzt sein wird.


Die Inbetriebnahme des zentralen Leitsystems wurde Ende August abgeschlossen. Seit Anfang September bis Dezember 2000 wird nun die Betriebsführung der achtzig Umspannwerke, 170 Schaltstationen, 8000 Trafostationen im Ortsnetzbereich sowie 10.000 Kilometer Mittelspannungsleitung von der zentralen Netzführung übernommen. Parallel dazu erfolgt Zug um Zug die Außerbetriebnahme der bisherigen Netzführungsstellen. Momentan ist die Netzführung der EAM noch gemäß der alten EAM-Organisation in 22 Netzführungsstellen an den Standorten der ehemaligen EAM-Betriebsstellen organisiert.

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