Szenario 2010

Neue Studie: Liberalisierung und Wettbewerbskonzentration führen zur Neuorientierung und Spezialisierung der Stadtwerke

Zusammen mit der Frankfurter Allgemeine Zeitungs GmbH und dem F.A.Z.-Institut hat die Unternehmensberatung Arthur Andersen ein Szenario entwickelt, das den Zustand der deutschen Energiewirtschaft im Jahr 2010 vorhersagt. Wichtigste Ergebnisse: Großkonzerne werden dominieren, Stadtwerke werden sich spezialisieren und die EU wird die Netznutzung regeln.

Stromnetz Ausbau© Thomas Aumann / Fotolia.com

In einer neuen Studie haben das Beratungs- und Prüfungsunternehmen Arthur Andersen, die Frankfurter Allgemeine Zeitungs GmbH und das F.A.Z.-Institut ein Energiewirtschafts-Szenario für das Jahr 2010 erarbeitet. Die wichtigsten Ergebnisse:

  • Bis zum Jahr 2010 wird die weiter fortschreitende Liberalisierung der Energiewirtschaft zu einem globalen Markt führen, in dem durch weiteren Verdrängungswettbewerb hauptsächlich die Großkonzerne dominieren werden.
  • Fünf bis sechs Megakonzerne, zwei davon mit Sitz in Deutschland, werden im Jahr 2010 den europäischen Erzeugermarkt beherrschen.
  • Im Zuge einer auch regionalen Konzentration der Anbieter werden die "neuen" Stadtwerke sich zu hochspezialisierten Einheiten entwickeln. Mit ihrem direkten Kundenzugang und lokalem Markenprofil dienen sie den Megakonzernen als regionale Portale und standortbezogene Vertriebsorganisationen.
  • Andere Stadtwerke bleiben nach einem horizontalem Konzentrationsprozess als konzernunabhängige Stadtwerke bestehen, wobei durch Kooperationen auch solche Geschäftsaktivitäten abgedeckt werden, die das eigene Kerngeschäft überschreiten.

EU-Richtlinie zur Senkung der Netznutzungsentgelte

Das Szenario, das unter dem Namen "Branchen und Visionen 2010 – Branche unter Strom – Markt der Stadtwerke" erschienen ist, sieht zudem voraus, dass eine Richtlinie der EU-Kommission zur Senkung und Nivellierung der Netznutzungsentgelte zu einer weiteren Liberalisierung der Märkte führen wird. Waren Gewinne bisher noch in hohem Maße von der Netznutzung abhängig, wird die erzwungene Kostensenkung dazu führen, dass sich zum Beispiel die Wartung der Netze von den Energieversorgern nicht mehr rentabel durchführen lässt. Für viele Energieunternehmen hat die Richtlinie daher die Trennung vom Eigentum der Netze und ihrem Betrieb zur Folge: Wie das Szenario belegt, werden zukünftig eigene Betreibergesellschaften den Netzbetrieb regeln. Der Besitz der Netze bleibt dagegen weiterhin bei den Energieversorgern, die sich zu großen Servicegesellschaften entwickeln.

Spezialisierung unumgänglich

Zunehmender Wettbewerb, veränderte Kundenerwartungen sowie steigende Renditeanforderungen der Eigentümer machen eine Neuorientierung der Energieunternehmen unumgänglich. "Entscheidend für den Erfolg im Wettbewerb ist die Fähigkeit und Flexibilität, sich durch Spezialisierung gegenüber der Konkurrenz zu differenzieren", erklärt Gerd Lützeler, Partner bei Arthur Andersen und Leiter der Industriegruppe "Energy, Infrastructure & Utilities" in Deutschland, der Schweiz und Österreich. Möglich ist diese Differenzierung durch eine Spezialisierung entlang der Wertschöpfungskette: Dabei konzentrieren sich die Versorger entweder auf Erzeugung, Handel, Übertragung und Verteilung sowie Verkauf an Endkunden – oder sie spezialisieren ihr Produktangebot auf eines der Gebiete Strom, Gas, Wasser oder energienahe und sonstigen Dienstleistungen. Produkte, die außerhalb der entwickelten Kernkompetenzen liegen, werden bei anderen Marktteilnehmern eingekauft, so dass dem Kunden weiterhin die komplette Produktpalette zur Verfügung steht.

Beratung und Service wird Aufgabe

Damit nicht genug: Neben der klassischen Energieversorgung wird zunehmend auch das Beratungs- und Servicegeschäft zur Aufgabe der Energieversorger. Der Versorgermarkt wird zum Dienstleistungsmarkt. Für den Kunden bedeutet dies eine Selbstverständlichkeit, entsprechend gering wird die Bereitschaft sein, die zusätzlichen Leistungen zu zahlen. Zusätzliche Entgelte sind nur durch einen erheblichen Mehrwert zu rechtfertigen. Der Wettbewerb um den Kunden wird damit mehr denn je zu der neuen Herausforderung, der sich die Energieunternehmen im globalen Markt stellen müssen.

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