Neue Stromanbieter: TICt's in Borchen richtig?

Stromtarife© Gina Sanders / Fotolia.com
Nach den bitteren Pleiten von Vossnet und Zeus sind die deutschen Stromkunden vorsichtiger geworden, wenn es darum geht, den Anbieter zu wechseln. Verständlicherweise, denn eine gesunde Portion Zweifel hat noch keinem geschadet. Zu viel Zweifel allerdings sorgen manchmal dafür, dass einem ein gutes Geschäft durch die Lappen geht.



Alle Zweifler sollten die Finger von der Firma TIC aus Borchen lassen. Der Newcomer auf dem deutschen Strommarkt mischte vor einigen Monaten die Branche mit einem Preis von 22,5 Pfennig pro Kilowattstunde auf. Soweit so gut - aber in der Firmenzentrale in Borchen war man nicht gewappnet für den Ansturm, der dann folgte. "Wir waren blauäugig und haben den Markt unterschätzt", gibt TIC-Geschäftsführer Dieter Singer im Interview mit dem strom magazin zu. Schnell wurde ihm klar, dass die eher chaotischen Zustände nicht gerade zuträglich sein konnten für seinen Ruf. Denn das eigentliche Hauptgeschäft von TIC liegt nicht im Verkauf von Strom, sondern im Verkauf der sogenannten "Small-Price-Card" (SPC). Das ist ein Vergünstigungssystem, das in den Bereichen des täglichen Lebens wirkt. Man bestellt über TIC u.a. bei einem Versandhandel, bei einem Küchenhersteller oder bei einem Automobilhändler und bekommt dafür mindestens 8 Prozent rückvergütet. Zusätzlich kann man beispielsweise Tankbelege einsenden, von denen nach Ablauf eines Jahres ebenfalls Prozente zurück erstattet werden. Geplant war, Strom sozusagen als Zusatz-Service anzubieten, in Verbindung mit der SPC. Schon nach einiger Zeit geriet die Firma allerdings unter Druck. "Immer mehr Kunden wollten zwar den Strom, nicht jedoch die SPC", erklärt Singer. Er entschloss sich, den Strom auch ohne die Karte anzubieten. "Das war ein großer Fehler." Nach einiger Zeit war klar, dass dieses System nicht funktionierte. Die AGB’s wurden geändert, die Tarifstruktur umgestellt. In diesem Zug hat TIC auch den Versand einer Eingangsbestätigung eingeführt - auch dieses Versäumnis hatte zuvor für einigen Unmut bei den Kunden gesorgt.



Zu diesem Zeitpunkt hatten sich allerdings schon mehrere Tausend Kunden bei TIC angemeldet, die von den Änderungen nicht begeistert waren. Hinzu kamen Probleme mit den örtlichen Stromversorgern, die sich auch heute noch sehr schwer tun, wenn es darum geht Kunden abzugeben. Auch wenn diese Begründung fadenscheinig und abgedroschen klingt - die kürzlich bekanntgegebene Gründung einer Arbeitsgruppe in Bundes- und Länderkartellämtern, die die Bedingungen des Netzzugangs prüfen soll, zeigt, dass hier noch einiges im Argen liegt. Gepaart mit Anfängerfehlern und Gutgläubigkeit kann das den neuen Anbietern ganz schnell das Genick brechen. Und glaubt man den zahlreichen Lesern des strom magazins, die ihre Erfahrungen im Meinungsforum austauschen, dann geht es bei TIC bis heute nicht mit rechten Dingen zu. Es wird über die Firmenbezeichnung spekuliert, über Bezahlungsverfahren gefachsimpelt und über die schlechte Erreichbarkeit der Kunden-Hotline geschimpft. TIC erfährt so viel Aufmerksamkeit, wie selten ein Stromanbieter zuvor.



"Fehler können wir nicht mehr rückgängig machen, aber wir haben mit der neuen Tarifstruktur einen Neuanfang gestartet. Jetzt klappt es besser", verspricht Singer gegenüber dem strom magazin. Alle Verträge die seit dem 1.9. bearbeitet wurden (es gilt der Bearbeitungsstatus, nicht der Versendestatus) haben die gleichen Konditionen: Es muss eine einmalige Aufnahme- oder Bearbeitungsgebühr von 99,00 DM gezahlt werden, der Strom kostet unverändert 22,5 Pfennig pro Kilowattstunde. In diesem Paket ist die SPC für ein Jahr enthalten, so dass jeder TIC-Kunde die Möglichkeit hat, die Vorteile zu testen. Wer nicht glaubt, dass TIC auch wirklich Verträge mit deutschen Firmen hat, sollte es selbst überprüfen. Nach den Angaben des TIC-Geschäftsführers funktioniert es und "das ist alles, was zählt".



Auch die Beschwerden über die schlechte Erreichbarkeit sind durchaus gerechtfertig. "Manchmal stoßen wir an unsere Grenzen, aber unser Call-Center wird weiter erweitert. Wir arbeiten an einer kontinuierlichen Verbesserung", betont Singer vehement. Bleibt noch die Sache mit den Abbuchungsaufträgen. Im Gegensatz zur Einzugsermächtigung hat der Kunde hierbei nicht lange Zeit, den Auftrag zu überprüfen und eventuell zurückzurufen. Da liegt der Gedanke nahe, dass TIC damit verhindern möchte, dass sich beunruhigte Kunden möglicherweise falsche Transaktionen nicht wieder zurück holen können. "Wir sind ein seriöses Unternehmen, das falsch abgebuchte Beträge natürlich anstandslos zurückgibt", sagt Singer. Auch von anderen Newcomern auf den Strommarkt hört man, dass die eigene Bank aufgrund der Unsicherheit des Geschäfts ausschließlich Abbuchungsaufträge akzeptiert, denn bei diesen liegt die Haftung bei der Bank des Kunden. Eine verzwickte Sache also: Der Strom-Newcomer braucht von seinen Kunden Abbuchungsaufträge, damit seine Bank die Transaktionen vornimmt, weil dieser sonst das Risiko zu groß ist. Der Kunde wiederum fürchtet um sein Recht, den abgebuchten Betrag im Falle eines Fehlers zurück zu bekommen. "Wir versichern, dass wir erst abbuchen, wenn wir vom alten Versorger die Bestätigung der Umstellung bekommen haben", verspricht Singer. Das wurde allen Kunden am 23. und 24. September in einem Statusbericht mitgeteilt. Das hilft aber eher misstrauischen Kunden trotzdem nicht weiter. Deshalb ein kleiner Tipp: Sprechen Sie mit ihrem neuen Stromversorger über ihr Misstrauen, was Abbuchungsaufträge angeht. In den meisten Fällen wird er eine andere Zahlungsweise akzeptieren.



Als Fazit bleibt: Ein Wechsel des Stromanbieters ist und bleibt nicht risikolos. Das kommt auch daher, dass die Politik versäumt, verbindliche Regelungen einzuführen. Vielleicht bringt die Arbeitsgruppe der Kartellämter etwas Licht ins Dunkel. Wem das Risiko zu hoch ist, sollte von einem Wechsel des Stromversorgers absehen. Diese "belohnen" die Treue derzeit wieder mit saftigen Strompreiserhöhungen.

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