Druck nimmt zu

Neue Panne in Temelin / E.ON will Stromvertrag kündigen

Gestern ist im tschechischen Atomkraftwerk radioaktives Wasser ausgelaufen - eine von vielen Pannen seit der Aufnahme des Probebetriebs im Oktober 2000. Jetzt macht auch E.ON einen Rückzieher.

Strompreise© Andre Bonn / Fotolia.com
Das umstrittene tschechische Kernkraftwerk Temelin, das derzeit wegen einer technischen Störung abgeschaltet ist, erregt erneut die Gemüter: Während gestern eine größere Menge radioaktiven Wassers ausgelaufen ist, hat der Münchner Konzern E.ON Energie bestätigt, mit der Temelin-Betreiberfirma CEZ über eine kurzfristige Beendigung des Stromliefervertrages zu verhandeln.

Seit der Aufnahme des Probebetriebs im Oktober 2000 musste Temelin mehrfach wegen Störungen abgeschaltet werden. Aus diesem Grund fordern Umweltschützer und Politiker, das an der österreich-tschechischen Grenze gelegene Kraftwerk gar nicht erst in Volllastbetrieb zu nehmen. Zuletzt hatte der deutsche Umweltminister Jürgen Trittin (Bündnis 90/Die Grünen) seine Experten aus der Temelin-Kommission abgezogen und eine Abschaltung des Pannenwerks gefordert.

Massiver Protest und ein Dringlichkeitsantrag der bayrischen SPD im Landtag, der E.ON alle Aufträge zur Belieferung von staatlichen Liegenschaften mit Strom entziehen wollte, wenn das Unternehmen an der Abnahme des Temelin-Stroms festhielt, hatten zuletzt auch den Münchner Stromversorger E.ON unter Druck gesetzt. Drei Milliarden Kilowattstunden Strom bezieht E.ON jährlich von der CEZ, das sind etwa 1,5 Prozent des gesamten Stromabsatzes des Energieriesen. E.ON bestätigte, dass zusammen mit der CEZ derzeit nach Wegen gesucht würde, den bestehenden Stromliefervertrag zu beenden. Zum Hintergrund gab es jedoch keinerlei Auskünfte: "Über die Gründe der beabsichtigten Beendigung des Vertragsverhältnisses haben beide Seiten Stillschweigen vereinbart", heißt es in einer knappen Erklärung von E.ON.

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