Hochtemperaturseile

Neue Leitungen können doppelt so viel Strom transportieren

Der RWE-Konzern will mit einer neuen Technologie den Ausbau der Stromnetze erleichtern. Dazu wurde am Donnerstag auf einer Leitung bei Argenthal im Hunsrück ein sogenanntes Hochtemperatur-Leiterseil aufgezogen. Damit könne die Kapazität im bestehenden Stromverteilnetz erhöht werden, ohne dass eine neue Trasse gebaut werden müsse.

Hochspannungsleitung© Gina Sanders / Fotolia.com

Argenthal (dapd/red) - Das sagte der Vorstand Technik der RWE, Joachim Schneider. Bei dem Projekt kommt die neue Technologie den Angaben zufolge das erste Mal in Deutschland im Realbetrieb zum Einsatz. Es soll dafür sorgen, dass der im Hunsrück produzierte Strom aus Windkraft aus der Region heraus in die Netze transportiert werden kann. Den Angaben zufolge kann das Seil auf seiner zwölf Kilometer langen Leitungsstrecke zwischen Simmern und Rheinböllen wegen seines Kerns aus Karbon auf 175 Grad erhitzt werden, ohne zu stark durchzuhängen. Herkömmliche Leitungen sind hingegen nur für Temperaturen bis 80 Grad ausgerichtet.

Auch auf kurzfristige Anstiege reagieren

Mit der neuen Technologie könne doppelt so viel Strom transportiert und auch auf den kurzfristigen Anstieg der Energie durch Windkraft reagiert werden, sagte Scheider. Laut RWE hat sich im Hunsrück die Einspeisung aus Windkraft binnen des vergangenen Jahres nahezu versechsfacht und wird lokal nicht mehr verbraucht. In ganz Rheinland-Pfalz wird derzeit die Windkraft massiv ausgebaut. Die rot-grüne Landesregierung will bis zum Jahr 2030 hundert Prozent des Strombedarfes aus erneuerbaren Energien decken.

Windkraft boomt in den Mittelgebirgen

Grundsätzlich wachse der Anteil der Windenergie gerade in den Mittelgebirgsregion extrem stark an. "Energiewende findet in Deutschland auf dem Land statt", sagte RWE-Vorstand Schneider. Mit der Nachrüstung durch das neue Leitungsseil könne auf den Neubau von Trassen teilweise verzichtet werden. Allerdings müssten bereits Masten und damit eine grundsätzliche Anbindung an das Hochspannungsnetz vorhanden sein. Die neue Technologie sei daher nur ein Baustein für den Ausbau der Stromnetze und könne den Neubau von Trassen nicht ersetzen, betonte Schneider.

Den Angaben zufolge kostet die Nachrüstung im Hunsrück 2,5 Millionen Euro. Die Montage dauere für die zwölf Kilometer knapp vier Monate. Würde eine neue Trasse gebaut werden, seien die Kosten drei Mal höher und das Genehmigungsverfahren dauere mindestens fünf Jahre, unterstrich Schneider.

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