Skandal-Serie

Neue Atomtransporte nach Sellafield

Am nächsten Dienstag sollen neue Castortransporte in die Wiederaufarbeitungsanlage ins britische Sellafield rollen. Greenpeace bezeichnet die Betreiberfirma als "Verbrecher", weil Sicherheit scheinbar keine Rolle spielt.

Hochspannungsleitung© Gina Sanders / Fotolia.com
Die Atomkraftwerksbetreiber Energie Baden-Württemberg (EnBW) und RWE wollen voraussichtlich nächsten Dienstag Atommüll aus den Atomkraftwerken Neckarwestheim (Baden-Württemberg) und Biblis (Hessen) in die britische Wiederaufarbeitungsanlage Sellafield liefern. In diesem Zusammenhang macht die Umweltschutzorganisation Greenpeace darauf aufmerksam, dass die Sellafield-Betreiberfirma British Nuclear Fuels (BNFL) erst vor zwei Wochen wegen Bruch von Sicherheitsbestimmungen verurteilt wurde.


Am 6. April 2001 hat ein Gericht in Whitehaven im Nordwesten Englands gegen BNFL eine Geldstrafe in Höhe von etwa 38 000 Mark verhängt. Das Unternehmen hatte Strahlenquellen, die zur Eichung von Messgeräten verwendet werden, zum Teil seit 1985 nicht ordnungsgemäß registriert, so Greenpeace. Laut Anklage der britischen Atomaufsichtsbehörde stellt dies einen "Kontrollverlust dar, der erhebliche Auswirkungen auf Gesundheit und Sicherheit hätte haben können". Aus diesem Grund sind die Aktivisten empört: "EnBW und RWE verschiffen ihren Atommüll an eine Atomfirma, in der immer wieder geschlampt wird. Das ist völlig unverantwortlich. Mit Atom-Verbrechern darf man keine Geschäfte führen", sagt Susanne Ochse, Atom-Expertin bei Greenpeace.

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