Kosten abwägen

Neubau ist oft sinnvoller als Altbau-Sanierung

Besitzer älterer Häuser sollten vor einer Sanierung genau prüfen, ob ein Neubau nicht preiswerter ist. Denn oft müssen bei einem Altbau nicht nur Fassade und Dach modernisiert werden, sondern auch Wasser- und Heizungsrohre, Heizkörper, Elektroleitungen sowie Sanitäranlagen, betont die Bayerische Ingenieurekammer-Bau.

Stromnetz Ausbau© Thomas Aumann / Fotolia.com

München (dapd/red) - "Ob sich eine Sanierung lohnt, hängt vom Einzelfall ab", sagt Experte Ulrich Scholz. Die Entscheidung könne nur nach einer umfassenden Untersuchung des Gebäudes getroffen werden. Dabei müsse die Gebäudehülle mit Fenstern, Außenwänden, Dach und Bodenplatte genauso kritisch unter die Lupe genommen werden, wie die Haustechnik innerhalb des Gebäudes. "Man sollte für die Sanierung nicht mehr ausgeben, als man beim Wiederverkauf erzielen würde", sagt Scholz.

Die meisten Käufer von Altbauten lockt ein relativ niedriger Preis, der oft schon dem Grundstückswert entspricht. Doch Scholz warnt: "Laien unterschätzen häufig die Sanierungskosten." So reizvoll Altbauten auch sein können, sie werden modernen Bedürfnissen nach komfortablen Wohnen oft nicht mehr gerecht. Und das nicht nur wegen der in der Regel kleinen Wohnfläche und der veralteten Haustechnik.

Sanierungen am Altbau sind oft sehr teuer

Je mehr Veränderungen an einem Gebäude erforderlich sind, besonders am Rohbau und statisch relevanten Bauteilen, desto eher können die Kosten für eine Haussanierung schnell die Neubaukosten übersteigen. "Bei einem Altbau ist es schwer eine Lüftung nachzurüsten, wenn dafür keine Schächte vorgesehen sind", erklärt Scholz. "Und bei einem Denkmalgebäude kann ich nicht einfach außen eine Wärmedämmung anbringen." Auch eine Anpassung an altersgerechtes Wohnen sei bei Altbauten mit engen Treppenhäusern und Türen fast unmöglich.

Auch das Alter der haustechnischen Anlage spielt eine wesentliche Rolle. Dabei geht es nicht nur um die Heizungsanlage. "Beispielsweise sind alte Rohrleitungen in der Trinkwasserinstallation aus hygienisch bedenklichen Werkstoffen heute oft ein Grund, die zentrale Wasserversorgung gegen eine nach dem heutigen Stand der Technik auszutauschen", sagt Alexander Lyssoudis, ebenfalls von der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau. Hier sei der finanzielle Aufwand häufig mit dem eines neuen Gebäudes vergleichbar oder sogar noch größer.

Neue Baupläne für Altbau können teuer werden

Dazu kommt, dass bei Altbauten oft die Baupläne verloren gegangen sind. Dann bleibt den Eigentümern nichts anderes übrig, als neue Pläne anfertigen zu lassen. Die Erstellung von Bestandsplänen mit statischer Untersuchung kostet laut Scholz, abhängig vom Wert der Immobilie, rund 20.000 Euro für ein Einfamilienhaus.

Gegen einen Neubau sprechen die mitunter hohen Abrisskosten für die bestehende Immobilie. In der Regel fallen dafür tatsächlich mehrere tausend Euro an. Dann aber kann der Bauherr laut Lyssoudis sein Traumhaus verwirklichen. Für einen Neubau spreche auch die höhere Kostensicherheit im Vergleich zur Sanierung.

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