Bericht

Netzentgelt-Erlass droht offenbar das komplette Aus

Die völlige Befreiung stromintensiver Unternehmen vom Netzentgelt steht Berichten zufolge vor dem Aus. Wie die "Süddeutsche Zeitung" und die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" am Donnerstag berichteten, sollen die Betriebe künftig zwischen zehn und 20 Prozent der Netzkosten zahlen - gestaffelt nach ihrem Verbrauch.

Netzausbau© Schuppich / Fotolia.com

Berlin (AFP/red) - Das gehe aus dem Entwurf für eine Neuregelung der Stromnetzentgeltverordnung hervor, der bereits vom Wirtschaftsministerium an die anderen Ministerien weitergeleitet worden sei.

Die Folgen des Urteils vom Mittwoch

Am Mittwoch hatte das Oberlandesgericht Düsseldorf die Regelung zur Befreiung stromintensiver Unternehmen von den Netzkosten für nichtig erklärt. Zudem ermittelt die EU-Kommission wegen der Netzentgelt-Befreiung gegen Deutschland. Verbraucherverbände, Bürger und Energieunternehmen hätten sich bei der Kommission über die Bevorzugung der Großkunden beschwert. Laut "FAZ" profitieren derzeit rund 200 deutsche Unternehmen von der Entgelt-Befreiung. Dadurch sparen sie insgesamt 300 Millionen Euro. Nach der geplanten Neuregelung müssten die Unternehmen laut "FAZ" 60 Millionen Euro selbst tragen.

Was die Netzentgelte leisten sollen

Netzgebühren sollen den Betrieb und den Ausbau der Stromnetze finanzieren. Unternehmen, die besonders viel Strom verbrauchen, müssen seit 2011 die Entgelte nicht mehr oder nicht mehr voll zahlen. Ein Hauptargument für die Regelung war die Stellung der Unternehmen im internationalen Wettbewerb: Sie sollten nicht durch hohe Stromkosten in Deutschland gegenüber der Konkurrenz ins Hintertreffen geraten.

Bislang bluteten vor allem die "Kleinen"

Zahlen für die Ausnahmen müssen vor allem kleine Betriebe und die Privathaushalte mit der sogenannten Netzentgelt-Umlage. Sie beträgt in diesem Jahr 0,329 Cent pro Kilowattstunde. Nach Schätzungen der Bundesnetzagentur vom November 2012 muss ein Musterhaushalt mit einem Verbrauch von 3500 Kilowattstunden nach der aktuellen Regelung im Jahr 2013 eine Umlage von rund elf Euro für die teilweise oder völlige Befreiung stromintensiver Betriebe vom Netzentgelt zahlen.

Quelle: AFP

Das könnte Sie auch interessieren
  • Stromvergleich

    Strompreise steigen vielfach zum Jahreswechsel

    Die Strompreise steigen zum neuen Jahr bei vielen Versorgern. Dem Portal Verivox zufolge haben gut 250 Stromanbieter angekündigt, die Preise zu erhöhen. Niedrigere Preise sind dagegen nur bei wenigen Anbietern zu erwarten.

  • Stromvergleich

    Mehrwertsteuer beim Strom: Staat kassiert rund 6 Milliarden Euro

    Strom ist in den letzten Jahren immer teurer geworden. Das liegt aber nicht nur an den Stromanbietern. Einen großen Teil des Strompreises machen nämlich Steuern und Abgaben aus.

  • Justiz

    Befreiung stromintensiver Firmen von Netzgebühr gekippt

    Das Oberlandesgericht (OLG) Düsseldorf hat die Regelung zur Befreiung stromintensiver Unternehmen von den Netzkosten für nichtig erklärt. Das Energiewirtschaftsgesetz bilde keine ausreichende gesetzliche Grundlage für die Befreiung von den Netzentgelten, entschied das OLG am Mittwoch.

  • Energieeffizienz

    Pilotprojekt zeigt hohe Akzeptanz für variable Strompreise

    Der Mannheimer Energieversorger MVV sieht in variablen Strompreisen einen wichtigen Baustein für die Energiewende. Ein entsprechender Feldversuch im Rahmen des Projekts "Modellstadt Mannheim" ("moma") sei bei den Verbrauchern auf große Resonanz gestoßen, teilte das Unternehmen am Donnerstag mit.

  • Windrad

    Wie die Grünen den Ökostrom verbilligen wollen

    Die Grünen wollen statt einer Strompreisbremse die Produktion von Ökostrom von unnötigen Kosten befreien. Dafür schlugen Fraktionschef Jürgen Trittin und die rheinland-pfälzische Wirtschaftsministerin Eveline Lemke am Dienstag ein halbes Dutzend Maßnahmen vor. Eine Sonderkonferenz aller Energieminister folgt am Donnerstag.

Top