Einschätzung

Netzagentur rechnet weiterhin mit Strom-Engpässen

Die Bundesnetzagentur rechnet wegen der Energiewende auch im kommenden Winter mit einer angespannten Lage im deutschen Stromnetz. Nach der Abschaltung einer Reihe von Kernkraftwerken und wegen des schleppenden Ausbaus der Stromautobahnen sei "mit einer ähnlichen Situation" wie im vergangenen Winter zu rechnen.

Hochspannungsleitung© Gina Sanders / Fotolia.com

Bonn (AFP/red) - Das erklärte Netzagentur-Chef Jochen Homann am Montag in Bonn. Damals sei die Lage in Deutschlands Stromnetz über Wochen "sehr angespannt" gewesen.

Netzagentur musste häufiger eingreifen

Ins Stromnetz habe die Netzagentur im vergangenen Winter deutlich häufiger eingegriffen als im Winter zuvor, erklärte Homann. In 197 Fällen habe die Einspeisung von Energie aus alternativer Erzeugung zwangsweise reduziert werden müssen. Regionaler Schwerpunkt sei dabei Schleswig-Holstein gewesen. Im Jahr zuvor habe sich die Zahl der Eingriffe auf nur 39 belaufen. 2011/2012 aber hätten auch zeitweise Reservekraftwerke in Deutschland und Österreich angefahren werden müssen, weil nicht ausreichend Strom zur Verfügung stand.

Im Winter sei nicht nur eine "sehr hohe Auslastung von Leitungstrassen" zu verzeichnen gewesen, erklärte Homann. Auch habe sich gezeigt, dass der Stromverbrauch nicht richtig eingeschätzt worden sei. Insgesamt seien die Ursachen für die Unterversorgung mit Strom jedoch "vielschichtig".

Offenbar kein Beleg für missbräuchliche Eingriffe

Sie seien aber weder Fehlern in Gesamtsystem noch etwaigen missbräuchlichen Manipulationen einzelner Akteure zuzuordenen, erklärte Homann. Die Bundesnetzagentur hatte eine Untersuchung eingeleitet, weil der Verdacht bestand, dass das Netz während der Kältewelle im Februar möglicherweise von einigen Strom-Großhändlern manipuliert und damit an den Rand eines Zusammenbruchs gebracht worden war.

Homann betonte erneut "die Dringlichkeit eines schnellen Netzausbaus". Technische Alternativen gebe es nicht, erklärte der Netzagenturchef. Der Netzbetreiber 50hertz teilte am Donnerstag mit, er habe mit dem Lückenschluss an einer Stromautobahn zwischen Hamburg und Schwerin begonnen. Ziel sei es, die Leitung "möglichst vor dem kommenden Winter in Betrieb nehmen zu können".

Quelle: AFP

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