Pro Wettbewerb

Netzagentur kündigt Systemwechel beim Ferngas an (Upd.)

Trotz der Liberalisierung auf dem Energiemarkt zahlen die deutschen Verbraucher für Strom und Gas nach Ansicht der Bundesnetzagentur weiterhin zu viel Geld. Um den Wettbewerb auf dem Gasmarkt anzukurbeln, sollen die drei marktbeherrschenden Unternehmen künftig der Kostenprüfung unterliegen.

Stromnetz Ausbau© Thomas Aumann / Fotolia.com

Bonn (AFP/sm) - "Trotz zahlreicher Fortschritte hin zu mehr Wettbewerb bleibt noch viel zu tun", stellte Behördenchef Matthias Kurth am Dienstag in Bonn fest. Insbesondere Gasnetz-Betreiber will die Netzagentur daher künftig besser unter die Lupe nehmen: Sie sollen ihre Kosten offenlegen und müssen ihre Preise ab 2010 genehmigen lassen. Die großen Stromnetzbetreiber erwägen unterdessen, ihre Netze in Deutschland gemeinsam zu betreiben.

Die drei Gasfernnetzbetreiber Eon Gastransport, Wingas Transport und Gasunie Deutschland Transport Services, müssen der Bundesnetzagentur nun innerhalb der kommenden zwei Monate ihre Kosten offenlegen. Dies sei ein erster Schritt für die Anreizregulierung, der sich die Unternehmen dann ab 2010 unterwerfen müssen, sagte eine Sprecherin der Behörde. Dabei legt die Netzagentur den Gewinn fest, den die Betreiber machen dürfen, diese müssen ihre Netzentgelte dann entsprechend kalkulieren. Die drei zunächst betroffenen Unternehmen sind laut Netzagentur für fast zwei Drittel der Gasferntransporte in Deutschland verantwortlich sind. Für weitere sieben Unternehmen läuft die Prüfung den Angaben zufolge noch.

Die Konzerne seien "keinem Leistungswettbewerb ausgesetzt", kritisierte Kurth. "Diese Netzbetreiber verfügen über eine dominierende Marktmacht." Da der überwiegende Teil der Kapazitäten langfristig ausgebucht sei, bestehe "kaum eine Möglichkeit auf Alternativangebote auszuweichen". Auch sei "nicht erkennbar, dass sich die Netzbetreiber aktiv darum bemüht hätten, ihre Kapazitäten zu vermarkten".

Die Stromnetzbetreiber überlegen indes, ihre Netze zu einer gemeinsamen Regelzone zusammenzulegen. Dadurch könnten die Kosten für den Netzbetrieb jährlich um dreistellige Millionenbeträge sinken und Stromverbraucher von sinkenden Netzentgelten profitieren, berichtete das "Handelsblatt" am Dienstag. Durch die Schaffung einer einheitlichen deutschen sogenannten Regelzone könne die Branche den Veränderungen im Netzbetrieb Rechnung tragen, sagte Hans-Jürgen Brick, Geschäftsführer der RWE Transportnetz Strom, der Zeitung.

Bislang gibt es in Deutschland vier Regelzonen, innerhalb derer die jeweiligen Netzbetreiber die sogenannte Regelenergie zur Verfügung stellen müssen. Diese wird benötigt, um Schwankungen und Abweichungen zwischen dem Stromverbrauch und der angebotenen Energie auszugleichen. Der Ausgleich ist notwendig, um die Netzstabilität zu gewährleisten. Der Bundesverband Neuer Energieanbieter (BNE) beklagt seit längerem, der Parallelbetrieb der vier Regelzonen sei zu teuer.

Im April hatte RWE die Schaffung einer einheitlichen Regelzone noch abgelehnt: Die Unterteilung in vier Regelzonen sei angesichts der Größe Deutschlands notwendig, um "ein Maximum an Versorgungssicherheit" zu bieten. Die einzelnen Regelzonen würden als Sicherheitssystem betrieben, betonte damals ein Unternehmenssprecher. Sonst hätte etwa der Stromausfall in weiten Teilen Westdeutschlands im November 2006 noch größere Ausmaße angenommen, wenn nur eine Regelzone bestanden hätte. Damals war wegen der Überführung eines Schiffes auf der Ems eine Höchstspannungsleitung abgeschaltet worden, was im Westen der Republik zu großflächigen Stromausfällen führte.

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