Diskussion

NaturEnergieFORUM 2001: "Ökosteuerbefreiung nur für Betriebe, die Grünstrom einsetzen"

Wie Großverbraucher für den Bezug von regenerativ erzeugtem Strom gewonnen werden können, diskutierten gestern Energie-Experten auf dem NaturEnergieFORUM 2001. Ein Vorschlag: Es sollten nur die Betriebe Ökosteuerbefreit werden, die grünen Strom einsetzen.

Stromnetz Ausbau© Thomas Aumann / Fotolia.com

Intelligente Förderkonzepte für erneuerbare Energien forderte Andreas Fußer, Vorstand der NaturEnergie AG, beim NaturEnergieFORUM 2001. So könnten zum Beispiel nur diejenigen Industriebetriebe von der Ökosteuer ausgenommen werden, die Strom aus erneuerbaren Quellen einsetzen. Bei der Veranstaltung in Grenzach-Wyhlen diskutierten am Donnerstag Experten aus Unternehmen, Energiewirtschaft, Kirchen, Umweltschutz und Medien unter dem Motto "Grünstrom in der Business Class", wie Großverbraucher für den Bezug von regenerativ erzeugtem Strom gewonnen werden können.

Vor allem der höhere Preis für zertifizierten Strom aus Quellen wie Wasserkraft und Sonnenenergie sei für viele Unternehmen und öffentliche Einrichtungen der Grund, konventionellen "Egalstrom" zu beziehen. Einig waren sich die Teilnehmer des Forums, dass einerseits die Ökostromhändler attraktive Produkte, andererseits der Staat finanzielle Anreize schaffen müssen. "Großverbraucher des produzierenden Gewerbes werden bislang in erheblichem Umfang von der Ökosteuer befreit - egal, welchen Strom sie beziehen", sagte Andreas Fußer, Vorstand der NaturEnergie AG. "Wir fordern eine Befreiung nur für solche Unternehmen, die zumindest teilweise Grünstrom einsetzen." Auch auf die Möglichkeit einer Förderung von Grünstrom durch Emissionszertifikate wies Fußer hin. Gerade die Großabnehmer von Strom könnten wesentlich zur Energiewende in Deutschland beitragen. Allein ein mittleres Unternehmen verbrauche mit einer Million Kilowattstunden jährlich so viel Strom wie über 330 Haushalte. Setze dieses Unternehmen Strom aus hundert Prozent regenerativer Erzeugung ein, reduziere sich der Kohlendioxid-Ausstoß im Vergleich zum bundesdeutschen Strommix, der nur zu knapp sieben Prozent aus erneuerbaren Quellen stammt, um etwa 590 Tonnen pro Jahr.

Noch sind es erst wenige Unternehmen und Organisationen, die Strom aus Quellen wie Wasserkraft und Sonne einsetzen. Zu den Pionieren zählen Markenartikler wie die Ricosta Schuhfabriken oder der Hersteller von Zahnpflegeprodukten GABA GmbH (Aronal, Elmex), die mit ihrem Qualitätsanspruch auch beim Strom nicht Halt machen. Besonders interessant sei Grünstrom für Unternehmen, die sich im Rahmen eines Öko-Audits zertifizieren lassen, erläuterte Michael Rumberg von Gerling Cert. Der Wechsel zu regenerativ erzeugtem Strom kann als eine Verbesserung der Umweltleistungen anerkannt werden. Als "Beitrag zur Bewahrung der Schöpfung" bezeichnete Johannes Baumgartner von der Erzdiözese Freiburg die Entscheidung der Kirche für regenerativ erzeugten Strom. Einem Rahmenvertrag, den die NaturEnergie AG vor einem Jahr mit den katholischen Diözesen und evangelischen Landeskirchen in Baden-Württemberg abgeschlossen hat, sind bereits über 260 Gemeinden mit mehr als 1100 Einrichtungen beigetreten. Ein weiterer Rahmenvertrag wurde vor kurzem mit der evangelischen Landeskirche in Thüringen vereinbart.

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