Sauberer Strom für den Stromsee

NaturEnergie AG: Wie der Ökostrommarkt funktioniert

Das Urteil des Oberlandesgerichts München, das die Werbekampagne von E.ON-Aquapower kürzlich stoppte, hat der Ökostromanbieter NaturEnergie AG zum Anlass genommen, über die Besonderheiten des Ökostrommarktes zu informieren.

Hochspannungsmasten© Günter Menzl / Fotolia.com

Das Oberlandesgericht München hat kürzlich eine Werbekampagne des Stromversorgers E.ON Energie gestoppt. Das Unternehmen hatte damit geworben, seinen Ökostromkunden "zu 100 Prozent Strom aus Wasserkraft" zu liefern - eine Aussage, die das Gericht für irreführend hielt. Schließlich komme auch aus den Steckdosen der E.ON-Kunden nur der übliche Strommix, dessen Herkunft aufgrund des großen Verbundleitungsnetzes nicht analysierbar ist. Was ist also dran am Handel mit Strom aus erneuerbaren Energien, was hat ein Kunden für sogenannten Grünen Strom von seiner Bestellung? Die NaturEnergie AG im südbadischen Grenzach-Wyhlen, mit etwa 150 000 Kunden Marktführer unter den Anbietern von rein ökologischem Strom, nimmt das Urteil zum Anlass, darüber zu informieren, wie der Markt für Grünen Strom funktioniert.

Physikalisch gesehen gibt es am Urteil des Münchener Gerichtes nichts zu rütteln. An der Steckdose eines Haushaltes ändert sich nach dem Wechsel zu einem Grünstromanbieter nichts. Elektrischer Strom breitet sich im Leitungsnetz mit Lichtgeschwindigkeit aus. Es ist nicht möglich, ihn gezielt zu einzelnen Anschlüssen zu lenken. Es sei denn, man würde eine eigene Leitung vom Wasserkraftwerk oder von der Solaranlagen zur Steckdose des Kunden bauen - eine wirtschaftliche Unmöglichkeit. Aber der physikalische Ansatz greift nach Ansicht der NaturEnergie AG zu kurz. Sinn und Zweck des Handels Strom aus erneuerbaren Energien sei, die Energiewende in Deutschland zu unterstützen, fossile und atomare Energien zurück zu drängen und den Erhalt wie den Ausbau Solaranlagen, Wasserkraftwerken oder Windkraftanlagen zu fördern. Um deutlich zu machen, wie das funktioniert, kann man sich das gesamte Stromleitungsnetz wie einen See vorstellen, dessen Wasserspiegel immer konstant gehalten werden muss. Der Kunde entnimmt diesem See jenen Strom, den er benötigt, um seine elektrischen Anlagen zu betreiben. Genau die entnommene Menge Strom muss dem Stromsee zur gleichen Zeit an einer beliebigen Stelle wieder zugeführt werden. Nur dann bleibt der "Wasserspiegel" konstant und das ganze Stromnetz stabil. An dieser Stelle kommt die Herkunftsqualität des Stroms ins Spiel. Ein Kunde, der von einem konventionellen Anbieter Strom bezieht, sorgt dafür, dass Strom aus Stein- oder Braunkohlekraftwerken oder Atomkraftanlagen in den See eingespeist wird. Bildlich gesprochen wird dem See verschmutztes Wasser zugeführt. Wer seinen Strom von einem Grünstromanbieter bezieht, sorgt dafür, dass "sauberer Strom" in die Netze fließt und somit die ökologische Qualität des "Stromsees" verbessert wird. Sauberer Strom heißt, dass diese Energie weitgehend abgasfrei aus unerschöpflichen Quellen wie Sonne, Wasser, Wind und Biomasse hergestellt wird.

So wird die NaturEnergie AG im laufenden Jahr voraussichtlich mehr als 700 Millionen Kilowattstunden Strom aus den Wasserkraftwerken am Hochrhein für ihre Kunden ins Stromnetz einspeisen. Und zwar immer dann, wenn sie Strom benötigen. Das heißt der Grüne Strom wird zeitgleich zum Stromverbrauch ins Netz eingespeist. Die Kurven von Verbrauch und Erzeugung müssen deckungsgleich sein. Aus diesem Grund muss die NaturEnergie für jeden Kunden ein Lastprofil erstellen. Der Kunde der NaturEnergie kann also zwar nicht behaupten, dass der Strom aus seiner Steckdose physikalisch aus einem bestimmten Kraftwerk kommt. Aber er kann die Kraftwerke real vor Ort und virtuell im Internet besichtigen, die für ihn den sauberen Strom in den großen "Stromsee" einspeisen. Umgangssprachlich ist an der Behauptung, "mein Strom wird von der NaturEnergie geliefert" auch wenig auszusetzen. Dazu ein weiterer Vergleich: Der Enkel, der von seiner Großmutter zum Geburtstag 100 Mark überwiesen bekommt und das Geld von seinem Konto abhebt, wird unbekümmert sagen, dass der Hundertmarkschein von seiner Oma sei. Das ist physikalisch natürlich falsch. Denn der Geldschein, den der Enkel schließlich in seiner Hand hält, den hat mit Sicherheit nicht die entfernt wohnende Oma bei der Bankfiliale eingezahlt, sondern irgend jemand anders. Aber weil der Enkel den Geldschein nur abholen kann, weil die Oma zuvor irgendwo bei einer anderen Bank die Summe einbezahlt hat, kommt der Schein faktisch doch von der Großmutter. Ein Bild, das den Handel mit Grünem Strom durchaus treffend wiedergibt.

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