Fachtagung "Umwelt Bauen" in Dessau

Nachhaltiges Bauen und Wohnen benötigt Trendwende

Wenn es um die Versorgung der Bevölkerung mit Wohnraum geht, dann ist die Umwelt zumeist der Verlierer. Eine Ressourcenschonung bei Flächen, Energie und Rohstoffen ist jedoch möglich, wie die im Auftrag des Umweltbundesamtes erstellte Studie "Nachhaltiges Bauen und Wohnen in Deutschland" aufzeigt. Eine Kurzfassung der Studie gibt es kostenlos.

Stromnetz Ausbau© Thomas Aumann / Fotolia.com

Dessau (red) - Die Versorgung der Bevölkerung mit Wohnraum darf nicht weiter zu Lasten der Umwelt gehen. Gebäudebestand und Infrastruktur nehmen in Deutschland einen Großteil der Ressourcen Fläche, Energie und Rohstoffe in Anspruch. Falls die gegenwärtigen Trends anhielten, würden die in der nationalen Nachhaltigkeitsstrategie der Bundesregierung formulierten Ziele für den Klimaschutz, die Reduzierung der Flächeninanspruchnahme und die Rohstoffschonung im Handlungsfeld "Bauen und Wohnen" nicht erfüllt. Zu diesem Ergebnis kommt die Studie "Nachhaltiges Bauen und Wohnen in Deutschland", die im Auftrag des Umweltbundesamtes (UBA) - vom Öko-Institut, vom Institut für ökologische Raumentwicklung sowie vom Institut für Stadtbauwesen und Straßenbau der Technischen Universität Dresden - erstellt wurde.

Doch es gibt Alternativen zur bisherigen Entwicklung: "Die Sanierung und Modernisierung der vorhandenen Gebäudesubstanz, eine behutsame Stadterneuerung mit einer angepassten Gestaltung der bestehenden Infrastruktur sind eine intelligentere und nachhaltigere Lösung als die weitere Zersiedelung der Landschaft mit Neubaugebieten auf der grünen Wiese. Da bei Wohnbauten mindestens 80 Prozent der Bauwerksmasse und 70 Prozent des Primärenergieaufwandes auf die Tragkonstruktion entfallen, ist eine effiziente Nutzung des Bestandes ein entscheidender Beitrag zur Ressourcenschonung - zumal auch keine Fläche neu in Anspruch genommen wird und kein Erschließungsaufwand anfällt", so Dr. Karl Otto Henseling vom UBA auf der heutigen Fachtagung "Umwelt Bauen" anlässlich des Tages der Architektur in Dessau.

In der Studie "Nachhaltiges Bauen und Wohnen in Deutschland" sind Elemente eines neuen Leitbildes in einer intensiven Diskussion und Kooperation mit Akteuren - wie Planern, Wohnungsunternehmen und Ministerien - aufgegriffen und zu Szenarien gebündelt worden, die zeigen: "Nachhaltiges Bauen und Wohnen" - im Sinne der Ziele der nationalen Nachhaltigkeitsstrategie - ist möglich und attraktiv. Das entwickelte Nachhaltigkeitsszenario unterstellt dabei keinen Verzicht bei der Versorgung mit Wohnraum, sondern orientiert um - vom Neubau zur Bestandspflege und von der "grünen Wiese" in die Siedlungskerne. Lösungsansätze, die primär auf den Klimaschutz oder auf die Reduzierung der Rohstoff- und Flächeninanspruchnahme ausgerichtet sind, vereinen im Gesamtkonzept vielfältige Synergieeffekte. Diese führen dazu, dass die umweltbezogenen Ziele der nationalen Nachhaltigkeitsstrategie in diesem Handlungsfeld erreichbar sind.

Die zusätzliche jährliche Flächeninanspruchnahme könnte bis 2025 - im Vergleich zum Jahr 2000 - um bis zu 85 Prozent reduziert werden. Die jährliche Inanspruchnahme mineralischer Rohstoffe ließe sich im selben Zeitraum um etwa ein Drittel verringern und die jährlichen Kohlendioxidemissionen um über 50 Prozent senken. Der Schlüssel für "Nachhaltiges Bauen und Wohnen" liegt in der effizienten Nutzung des Bestandes. Das stellt neue Anforderungen an Politik, Planer, Bauherren und Nutzer.

Die Studie "Nachhaltiges Bauen und Wohnen in Deutschland" ist in der Reihe TEXTE des Umweltbundesamtes als Nr. 01/04 erschienen, umfasst 378 Seiten und kostet 10 Euro. Sie ist erhältlich bei Werbung und Vertrieb, Wolframstraße 95-96, 12105 Berlin, Telefon: 030-2116061, E-Mail: berlin@wundv.com. Eine Kurzfassung der Studie kann kostenlos unter http://www.umweltbundesamt.org/fpdf-k/2600.pdf heruntergeladen werden.

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