Kosten der Atomkraft

NABU fordert Rückbau des ehemaligen KKW Rheinsberg

Der Naturschutzbund (NABU) Deutschland dringt auf den vollständigen Rückbau des ehemaligen Kernkraftwerks (KKW) Rheinsberg. Der kostspielige Rückbau der Ruinen dürfe nicht auf die lange Bank geschoben werden.

Hochspannungsleitung© Gina Sanders / Fotolia.com

Berlin/Potsdam (ddp/sm) - "Aus dem ersten größeren kommerziell betriebenen Atomkraftwerk auf deutschem Boden sollte einer der ersten restlos verschwundenen Atommeiler in Deutschland werden", sagte NABU-Bundesgeschäftsführer Leif Miller am Dienstag in Berlin. Andernfalls würde das KKW zum schlechten Vorbild für westdeutsche Altkraftwerke.

Miller unterstrich, die großen Energiekonzerne würden den kostspieligen Rückbau ihrer KKW-Ruinen auf die lange Bank schieben. Sie fürchteten Transparenz über die wahren Kosten der Atomkraft. Das Versprechen der brandenburgischen Landesregierung, das KKW bis auf die grüne Wiese zurückzubauen, müsse jedoch unbedingt eingehalten werden.

Zuvor müssten die jetzt aufgetretenen Fragen über eine unerwartet hohe Reststrahlung des Reaktorgebäudes lückenlos aufgeklärt werden, forderte NABU-Landeschef Tom Kirschey. Beschäftigte, Anwohner und Naturschützer brauchten Transparenz darüber, welche Strahlung von den Reaktorresten noch ausgehe. Selbst wenn sich die Arbeiten wegen zu hoher Strahlungswerte verzögern sollten, bleibe der vollständige Rückbau von Reaktorgebäude und Werksgelände das oberste Ziel. Schließlich liege das KKW Rheinsberg inmitten eines der wertvollsten Naturschutzgebiete Brandenburgs, dem "Stechlin".

Die für den Rückbau zuständige Energiewerke Nord GmbH (EWN) hatte in der vergangenen Woche mitgeteilt, dass es noch keine Entscheidung zum Abriss des Reaktor-Gebäudes gebe. Es würden verschiedene Möglichkeiten geprüft. Dabei gebe es die Überlegung, das Gebäude aufgrund seiner radioaktiven Belastung vorerst noch stehenzulassen. Die Strahlung könne dann zunächst von selbst abklingen.

Das könnte Sie auch interessieren
  • Kraftwerk

    EU rechnet Atomstrom-Kosten offenbar künstlich niedrig

    Die EU verschleiert in ihren Zukunftsplänen für Europas Energieversorgung laut einer Studie die wahren Kosten von Atomstrom und benachteiligt dadurch die ökologische Stromerzeugung. Die Kosten für Atomstrom würden "systematisch" unterschätzt, jene für alternative Energieerzeugung überschätzt.

  • Stromnetz Ausbau

    Altmaier will AKW-Abriss zentral koordinieren (Upd.)

    Der neue Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) will einem Pressebericht zufolge den Abriss der 17 deutschen Atomkraftwerke selbst koordinieren und zu diesem Zweck das Genehmigungsverfahren von den Ländern auf den Bund übertragen. So soll ein drohendes Atommüll-Chaos verhindert werden.

  • Stromtarife

    Noch keine Entscheidung zum Rückbau des Reaktor-Gebäudes Rheinsberg

    Die Energiewerke Nord GmbH (EWN) hat noch keine Entscheidung zum Abriss des Reaktor-Gebäudes im ehemaligen Kernkraftwerk Rheinsberg getroffen. Es würden verschiedene Möglichkeiten geprüft, sagte Sprecher Marlies Philipp am Mittwoch auf ddp-Anfrage.

  • Strom sparen

    Ostdeutsche Kernkraftwerke zu 75 Prozent zurückgebaut

    Der Rückbau der nach der Wende stillgelegten ostdeutschen Kernkraftwerke in Rheinsberg (Brandenburg) und Lubmin (Mecklenburg-Vorpommern) geht in seine Endphase. Die Anlagen seien inzwischen zu fast 75 Prozent zurückgebaut worden, teilte die Energiewerke Nord GmbH (EWN) mit.

  • Strom sparen

    Castor-Transport entfacht die Diskussion über Atommüll-Lager

    Der von zahlreichen Protesten begleitete Castor-Transport ins niedersächsische Zwischenlager Gorleben belebt die Diskussion über die Nutzung der Atomkraft und die Lagerung der dabei produzierten Abfälle. Streitthema bleibt, ob Gorleben als Endlager freigegeben oder nach Alternativen gesucht werden soll.

Top