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MVV fordert: Preisturbulenzen an den Strombörsen müssen politische Konsequenzen haben

Die Mannheimer MVV Energie AG fordert mehr Transparenz im Strommarkt. MVV-Vorstandssprecher Roland Hartung dazu: "Grundlage einer langfristigen Versorgungssicherheit ist ein funktionierender Markt".

Hochspannungsmasten© Günter Menzl / Fotolia.com

Die an zwei Tagen Mitte Dezember letzten Jahres aufgetretenen Preisexplosionen an den Strombörsen in Frankfurt und Leipzig müssen nach Ansicht des Mannheimer Energieverteilers MVV Energie AG politische Konsequenzen haben. Der Sprecher des Vorstandes des Unternehmens, Roland Hartung, betonte jetzt, dass "die wichtigste Grundlage einer langfristigen Versorgungssicherheit ein funktionierender Energiemarkt" sei. Dieser setze Transparenz, Information und Liquidität voraus. Hierfür müsse die Politik die entsprechenden Rahmenbedingungen schaffen. Am 17. und 18. Dezember 2001 war der sonst normale Handelspreis für eine Kilowattstunde Strom von 2,5 bis 4 Cent um bis zu 2500 Prozent auf einen Euro, im außerbörslichen Handel (OTC) sogar um 5000 Prozent auf zwei Euro gestiegen.

Dies könne nicht allein auf den Kälteeinbruch in Europa und den Zusammenbruch des amerikanischen Stromhandel-Unternehmens Enron zurückgeführt werden. "Derartige Preise sind", so der Leiter des Bereichs Energiehandel und Energiewirtschaft der MVV Energie AG, Dr. Christoph Helle, "ökonomisch nicht mehr erklärbar". An zu geringen Kraftwerkskapazitäten jedenfalls könne es nach Ansicht der MVV nicht gelegen haben, zumal an diesen Tagen auch das Kernkraftwerk Philippsburg 2 wieder ans Netz gegangen sei. Nur mit einer gesetzlich abgesicherten Transparenz über Angebot und Nachfrage auf dem deutschen Strommarkt könnten derartige Preisexplosionen künftig vermieden werden. MVV-Vorstandssprecher Roland Hartung forderte daher verbindliche Regelungen wie in den skandinavischen Ländern und mit Abstrichen auch in Frankreich und Spanien, die sowohl die Kraftwerks- und Netzbetreiber zwingt, Daten über ihre aktuelle Energieproduktion und Netzlast, über Kraftwerksrevisionen oder Ausfälle, Leitungsengpässe und grenzüberschreitende Stromflüsse allen Marktteilnehmern zugänglich zu machen. All diese Daten sind in Deutschland, so Dr. Helle, nur den großen Verbundunternehmen bekannt, während sie in anderen Ländern frei im Internet zugänglich seien.

In Deutschland werde die Bedeutung dieses Informationsmonopols noch dadurch verstärkt, dass die Verbundunternehmen über 80 Prozent aller Kraftwerks- und 100 Prozent aller Übertragungsnetzkapazitäten verfügten. Sie hätten somit, so Roland Hartung, im Gegensatz zu den anderen Unternehmen am Markt Kenntnis über die Produktion aller eigenen und als Übertragungsnetzbetreiber auch aller fremden Kraftwerke in ihrem Netzgebiet sowie über die Nachfrageentwicklung. Roland Hartung: "Die Schaffung von Transparenz und die konsequente Trennung von Erzeugungs-, Netz- und Handelsinteressen ist zwingend für die Funktionsfähigkeit des Wettbewerbs. An diesem Punkt wird sich auch entscheiden, ob die vor fünf Jahren eingeleitete Liberalisierung des Energiemarktes wirklich zu einem fairen und offenen Wettbewerb im Interesse der Kunden weiterentwickelt wird, oder ob es nach den abgeschafften regionalen Monopolstrukturen zu einem engen Oligopol einiger weniger großer Verbundunternehmen kommt."

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