Bilanz

MVV Energie zeigt Interesse an Stadtwerken Kiel

Der Mannheimer Energiedienstleister MVV Energie will seinen Wachstumskurs fortsetzen und seine Konzernstruktur an das Wachstum anpassen. Mit weiteren Stadtwerke-Beteiligungen soll die Basis verbreitert werden. Ganz oben auf der Wunschliste: Die Stadtwerke Kiel. Aufgrund der Insolvenz der amerikanischen TXU stehen hier 51 Prozent zum Verkauf.

Energieversorung© Gina Sanders / Fotolia.com

Das Energieverteilungs- und Dienstleistungsunternehmen MVV Energie, das sich in Folge des Börsengangs zum fünftgrößten deutschen Stromversorger entwickelt hat, will auch in den kommenden Jahren seinen Wachstumskurs fortsetzen und neue Marktanteile gewinnen. Dabei wird sich der Konzern künftig nach den Worten seines Vorstandsvorsitzenden Dr. Rudolf Schulten stärker auf sein Kerngeschäft der Verteilung von Strom, Gas, Wärme, Wasser und umweltfreundliche Entsorgung konzentrieren.

Auf der Bilanzpressekonferenz für das abgelaufene Geschäftsjahr 2002/03 betonte Dr. Schulten heute in Frankfurt, dass sich die MVV Energie "dazu auch von einigen Engagements in nicht erfolgversprechenden Randbereichen aus der zurückliegenden Expansionsphase trennen oder dort nicht weiter investieren" werde. Die grundsätzliche strategische Stoßrichtung, die auf Wachstum im Energiegeschäft und energienahen Dienstleistungen setzt, werde aber beibehalten.

Parallel werde derzeit eine dem gewachsenen Konzern angemessene Konzernorganisation aufgebaut. Dr. Rudolf Schulten: "Unsere Struktur hat in einigen Bereichen mit unserem enormen Wachstum nicht Schritt gehalten." Der MVV Energie-Chef zeigte sich zuversichtlich, mit den eingeleiteten Anpassungen bei Strategie und Organisation "die Kräfte und Stärken für den Wettbewerb bündeln" zu können.

Nach den Worten von Dr. Schulten soll das Wachstum des Konzerns künftig auf "fünf stabilen Säulen aufbauen". Auf der Grundlage eines organisch wachsenden regionalen Geschäftes des Stammhauses in Mannheim will MVV Energie mit weiteren Stadtwerke-Beteiligungen ihre Basis verbreitern. So führt das Mannheimer Unternehmen derzeit Verhandlungen um den Erwerb einer Beteiligung an den Stadtwerken in der schleswigholsteinischen Landeshauptstadt Kiel. Dr. Schulten: "Nicht zuletzt durch die kartellrechtlichen Grenzen für die Verbundunternehmen sowie durch die zu beobachtende Zurückhaltung ausländischer Konzerne haben sich die Voraussetzungen für unser horizontales Wachstum deutlich verbessert."

Zudem will MVV Energie ihr Know-how in den Kerngeschäftsfeldern in den kommenden Jahren noch stärker als in der Vergangenheit in einen weiteren Ausbau seiner bereits starken Marktposition im Bereich der Multi-Utility-Energiedienstleistungen einsetzen. Als vierten Schwerpunkt wird der Konzern, so der MVV Energie-Vorstandsvorsitzende, seine dezentralen Kraftwerksprojekte in den Bereichen Erneuerbare Energien und Abfallverwertung in einem eigenen Geschäftsfeld zusammenführen. Und auch international will das Unternehmen gezielt weiter wachsen. Insbesondere in den EU-Beitrittsländern Polen und Tschechien, auf die sich MVV Energie dabei nach den Worten des Vorstandschefs konzentrieren wird, will das Unternehmen seine Fernwärme-Beteiligungen zur fünften Säule seiner Wachstumsstrategie ausbauen.

Die bereits gemeldeten vorläufigen Ertragszahlen entsprechen den tatsächlichen Ergebnissen. So konnte MVV Energie im abgelaufenen Geschäftsjahr das um Sondereffekte bereinigte EBIT gegenüber dem Vorjahr um sechs Prozent auf 121 Millionen Euro (Vorjahr: 114 Millionen Euro) steigern. Der Umsatz erhöhte sich um ein Prozent von 1,679 auf 1,695 Milliarden Euro. Im Stromgeschäft konnte das bereinigte EBIT vor allem durch höhere Umsätze im Privat- und Geschäftskundenbereich um 15 Prozent auf 30 Millionen Euro gesteigert werden.

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