Aus Müll wird Dampf und Strom

MVV Eneregie errichtet in Leuna bis 2007 zweite Müllverbrennungsanlage

Das Mannheimer Energieunternehmen MVV Energie will am Chemiestandort Leuna bei Merseburg mehr als 160 Millionen Euro in den Bau von zwei Müllverbrennungsanlagen investieren. Ein Bericht von ddp-Korrespondent Norbert Claus.

Strom sparen© Gina Sanders / Fotolia.com

Leuna (ddp/sm) - Mit der offiziellen Inbetriebnahme der ersten, 94 Millionen Euro teuren Anlage am Montag wurde zugleich mit dem Bau einer zweiten, identischen Verbrennungsanlage begonnen. Damit könnten ab 2007 in Leuna jährlich 400 000 Tonnen Müll aus weiten Teilen Sachsen-Anhalts und Thüringens entsorgt werden, kündigte der Geschäftsführer der MVV Umwelt GmbH, Michael Horix, an. Umweltministerin Petra Wernicke (CDU) betonte, angesichts der immer knapper werdenden natürlichen Ressourcen werde nunmehr Müll als Energieträger genutzt.

Den Bau des zweiten Müllheizkraftwerkes begründete Horix mit der "anhaltenden Nachfrage nach entsprechenden Entsorgungskapazitäten". Dadurch entstünden am Standort Leuna insgesamt 42 neue Arbeitsplätze direkt in den zwei Anlagen und weitere 80 im Umfeld bei Dienstleistungsfirmen.

In der ersten Anlage der MVV TREA Leuna GmbH, in der 23 Arbeitsplätze geschaffen wurden, können jährlich etwa 195 000 Tonnen Hausmüll verbrannt werden. Die Abfälle kommen aus den Kreisen Merseburg/Querfurt, Wittenberg, Anhalt-Zerbst und dem Saalkreis sowie aus dem Thüringer Landkreisen Gotha, Sömmerda und dem Ilmkreis. Die Anlage produziert bei der Verbrennung 100.000 Megawattstunden Energie und 660 000 Tonnen Dampf, die unter anderem von in Leuna ansässigen Unternehmen abgenommen werden.

Wernicke wollte vor diesem Hintergrund nicht von einem Müllexport sprechen, sondern vielmehr von einer länderübergreifenden Lösung, die den Verbrennungsanlagen langfristige Perspektiven böten. Seit 1. Juni dürfen in Deutschland nach neuem Recht Abfälle nicht mehr unbehandelt deponiert werden. 18 der 21 öffentlichen Entsorgungsträger in Sachsen-Anhalt hätten sich für die thermische Abfalllösung entschieden, betonte die Ministerin. Inzwischen seien 19 der 25 Deponien im Land geschlossen.

Laut Wernicke wurde das neue Müllheizkraftwerk ohne Landesfördermittel errichtet. Für die drei Anlagen in Leuna, Magdeburg-Rothensee und Zorbau bei Weißenfels wurden von den Investoren insgesamt 470 Millionen Euro ausgegeben. Die im Vorfeld befürchteten drastischen Gebührenerhöhungen seien nicht eingetreten, stellte Wernicke fest. Im Vergleich zu 2004 hätten sich 2005 die Ausgaben für einen Zwei-Personen-Haushalt mit einer 140-Liter-Tonne und zweiwöchigem Rhythmus der Entleerung um rund 6 auf 95,8 Euro erhöht.

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