Wettbewerbsüberwachung

Musterverfahren gegen Wemag und RWE Net: Kartellamt untersucht Stromzähler-Messpreise

Das Bundeskartellamt prüft derzeit Entgelte, die Stromkunden für den Stromzähler in Rechnung gestellt werden. Nach Auffassung der Wettbewerbshüter verlangen die Schweriner Wemag und die Dortmunder RWE Net mit 44,48 und 36 Euro pro Jahr für einen Eintarifzähler zu viel. Gegen beide Anbieter wurde ein Musterverfahren eingeleitet.

Hochspannungsleitung© Gina Sanders / Fotolia.com

Das Bundeskartellamt hat gegen den Stromregionalversorger Wemag AG (Schwerin) und gegen die RWE Net AG (Dortmund) Verfahren wegen des Verdachts der Forderung überhöhter Mess-und Abrechnungspreise von Stromzählern bei Lastprofilkunden (Haushalte, Gewerbe, Landwirtschaft) eingeleitet.

Die Preise von Wemag bzw. RWE Net (44,48 bzw. 36,00 Euro pro Jahr für Eintarifzähler und 79,76 bzw. 72,00 Euro pro Jahr für Zweitarifzähler) liegen mit 40 bis 80 Prozent bei Eintarif- und mit 95 bis 115 Prozent bei Zweitarifzählern weit über den zum Vergleich herangezogenen Stromunternehmen (Stadtwerke Tübingen, Energiewerke Zeulenroda, TEAG, e.dis). Da die Höhe der Zählerpreise nicht von der Gebietsstruktur abhängig sei, ist nach vorläufiger Auffassung des Bundeskartellamts Wemag und RWE Net zu untersagen, einen höheren Mess- und Verrechnungspreis als die Vergleichsunternehmen zu fordern.

Kartellamtspräsident Ulf Böge: "Mit den Musterverfahren gegen Wemag und RWE Net wollen wir das Niveau der Messpreise deutlich senken. Hiervon können insbesondere netzunabhängige Stromlieferanten und Haushaltskunden profitieren, da bei dieser Kundengruppe der Anteil der Mess- und Abrechnungskosten bis zu 20 Prozent des Strompreises beträgt." Mess- und Verrechnungspreise bilden – auch nach der Verbändevereinbarung Strom II plus – einen von den übrigen Bestandteilen der Netznutzungsentgelte zu trennenden Kostenblock; jene Netznutzungsentgelte sind Gegenstand anderer laufender kartellbehördlicher Verfahren.

Das könnte Sie auch interessieren
  • Hochspannungsleitung

    Eingriffe in das Stromnetz verteuern Strompreis

    Eingriffe in das Stromnetz durch die Netzbetreiber werden immer häufiger notwendig. Das kommt auch dem Verbraucher teuer zu stehen, denn die sogenannten "Redispatchmaßnahmen" werden letztendlich über den Strompreis finanziert.

  • Netzausbau

    Tennet erhöht Netzentgelte: Strom wird wohl teurer

    Stromnetzbetreiber Tennet erhöht die Netzentgelte deutlich. Das dürfte sich im kommenden Jahr auch auf den Stromrechnungen vieler Verbraucher bemerkbar machen. 30 Euro mehr sollen pro Haushalt im Schnitt anfallen, so Tennet-Chef Keussen.

  • Hochspannungsleitung

    Strom in Ostdeutschland deutlich teurer

    Der Bundesverband der Energie-Abnehmer (VEA) hat in seinem neusten Strompreisvergleich für Sondervertragskunden herausgefunden, dass ostdeutsche Stromkunden durchschnittlich 10,5 Prozent mehr für Strom bezahlen als westdeutsche. Zu den teuersten Unternehmen gehören die TEAG, die e.dis und die Avacon. Günstigen Strom bietet u.a. RWE Net.

  • Stromnetz Ausbau

    Neue Studie: Liberalisierung und Wettbewerbskonzentration führen zur Neuorientierung und Spezialisierung der Stadtwerke

    Zusammen mit der Frankfurter Allgemeine Zeitungs GmbH und dem F.A.Z.-Institut hat die Unternehmensberatung Arthur Andersen ein Szenario entwickelt, das den Zustand der deutschen Energiewirtschaft im Jahr 2010 vorhersagt. Wichtigste Ergebnisse: Großkonzerne werden dominieren, Stadtwerke werden sich spezialisieren und die EU wird die Netznutzung regeln.

  • Stromnetz Ausbau

    A.T. Kearney: VV Gas II ist Zwischenschritt zu mehr Markttransparenz

    "Der Weg zum Privatkunden bleibt aufgrund des dadurch entstehenden hohen administrativen Aufwands lang und hürdenreich", erläuterte Berthold Hannes, Leiter der zentraleuropäischen Beratergruppe Energiewirtschaft von A.T. Kearney heute in Köln. Für einen funktionierenden Wettbewerb bedürfe es insbesondere einer Clearing-Stelle.

Top