4500 Tonnen Kohlendioxid gespart

München: Pilotprojekt "Fernkälte" in Betrieb

Grundwasser aus so genannten U-Bahn-Dükern kühlt in München ab sofort das Forschungs- und Innovationszentrum der BMW Group. Mit der Fernkälte können - im Vergleich zur Kälteerzeugung via Kompressionskältemaschinen - jährlich rund sieben Millionen Kilowattstunden Strom eingespart werden. Die Stadtwerke München investierten dafür rund 6,5 Millionen Euro.

Strompreise© Andre Bonn / Fotolia.com

München (red) - Die Stadtwerke München haben ihren regenerativen Energiemix um einen neuen Baustein erweitert: die Fernkälte. Ab sofort werden Gebäude des Forschungs- und Innovationszentrums (FIZ) der BMW Group mit Grundwasser aus U-Bahn-Dükern gekühlt. Nach nur zehn Monaten Bauzeit haben nun Herbert König (SWM-Geschäftsführer Verkehr und Vorsitzender der MVG-Geschäftsführung), Hubert Lehnert (Mitarbeiter des Konzernbeauftragten für Umweltschutz der BMW Group) und Alfred Hubner (Energieingenieur BMW Group) die Fernkälteleitung offiziell in Betrieb genommen. Das Konzept für diese Ressourcen schonende Energieversorgung haben beide Unternehmen gemeinsam entwickelt.

Grundwasser als umweltschonendes Kühlmittel

Das Prinzip der Fernkälte ist ähnlich dem der Fernwärme: Bei der Fernwärme wird die bei der Stromerzeugung anfallende Abwärme als Heizenergie genutzt (Kraft-Wärme-Kopplungs-Prozess KWK). Bei der Fernkälte wird das vorhandene Grundwasser quasi als Energiequelle "angezapft" und in einem geschlossenen Kreislauf zur Kühlung verwandt, also energetisch sinnvoll genutzt.

Kaltes Wasser aus der U-Bahn statt Klimaanlage

Zahlreiche Anlagen der Münchner U-Bahn verlaufen in grundwasserführenden Bodenschichten. In 182 unterirdischen Bauwerken des SWM-Unternehmensbereichs Verkehr - so genannten "Dükern" - wird das anströmende Grundwasser gesammelt und unter den U-Bahn-Anlagen hindurchgeleitet.

Aus acht dieser Düker im Bereich der U-Bahnhöfe Feldmoching, Hasenbergl und Dülferstraße sowie gegebenenfalls aus ein bis zwei konventionellen Brunnen entnehmen die SWM das etwa 10 bis 12 Grad kalte Grundwasser und transportieren es über eine circa 4,6 Kilometer lange Rohrleitung in das BMW FIZ. Hier wird anstelle einer konventionellen Kältemaschine die natürliche Kälte des Grundwassers genutzt. Nach dem "Kühleinsatz" wird das auf etwa 17 Grad erwärmte Wasser wieder in die Düker und somit in den Grundwasserkreislauf zurückgespeist.

Auf Grund des sehr mächtigen Grundwasserstroms im Münchner Norden sowie des großen Abstands des Grundwassers zu wurzelführenden Bodenschichten gehen von dieser Grundwassernutzung keinerlei negative Auswirkungen auf die umliegende Fauna aus. Im Endausbau soll rund um die Uhr eine Kälteleistung von fünf Megawatt für das BMW FIZ bereit gestellt werden.

"Der Umweltnutzen dieses innovativen Kühlsystems ist beachtlich", betonte Hubert Lehnert. Durch die Nutzung der natürlichen Kälte von oberflächennahem Grundwasser aus den U-Bahn-Dükern würden wertvolle Ressourcen geschont und CO2-Emissionen von jährlich bis zu 4500 Tonnen vermieden. Mit der Fernkälte könnten - im Vergleich zur konventionellen Kälteerzeugung mittels Kompressionskältemaschinen - jährlich rund sieben Millionen Kilowattstunden Strom eingespart werden. "Das entspricht dem Jahresstromverbrauch von über 3000 Münchner Haushalten", so Lehnert.

Insgesamt haben die SWM rund 6,5 Millionen Euro in das Fernkältepilotprojekt investiert.

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