Im Ländle

Müll soll stärker zur Energiegewinnung beitragen

Müll soll nach dem Willen von Umweltminister Franz Untersteller (Grüne) künftig noch stärker zur Energie- und Rohstoffgewinnung genutzt werden. Der Grünen-Politiker sagte am Mittwoch in Stuttgart, bei der energetischen Nutzung von Bio- und Grünabfällen sei "viel Luft nach oben". Mit Biogas könnte man zusätzlich 190.000 Haushalte versorgen.

Biogas© Jürgen Fälchle / Fotolia.com

Stuttgart (dapd/red) - Man müsse immer weiter weg von der Abfallbeseitigung in Richtung hundertprozentiger Verwertung kommen, so Untersteller. Der Minister geht davon aus, dass landesweit rund 350.000 Tonnen Bio- und Grünabfälle zusätzlich verwendet werden könnten. Daraus könnte der Gasbedarf von zusätzlichen 190.000 Haushalten gedeckt werden.

Die Kommunen müssten zu diesem Zweck im eigenen Interesse noch mehr Anreize für die Trennung von Bio- und Grünabfällen setzen, etwa durch entsprechende Gebühren. Außerdem müsse dafür gesorgt werden, dass die Abfälle zunächst in die Biogasproduktion und dann erst in die Kompostierung gingen.

Die Kommunen entscheiden selbst

Nach Einschätzung des Ministers wird es dazu voraussichtlich 12 bis 18 zusätzliche Vergärungsanlagen für Biomüll brauchen. Untersteller hob hervor, dass das Land beim Thema energetische Nutzung von Abfällen keine Vorschriften machen werde. Kommunen und Landkreise sollten je nach Gegebenheit vor Ort selbst entscheiden. Es gebe aber einen engen Austausch mit deren Vertretern. Auch werde über das Thema regelmäßig auf Kongressen und in Leitfäden informiert.

Untersteller will auch die Gewinnung von Rohstoffen wie Phosphor oder Neodym aus Abfällen vorantreiben. Neodym wird für Magnete, Phosphor als Düngemittel in der Landwirtschaft verwendet. Wenn das Land seine Technologie ausbaue, könnten rund 52 Prozent des benötigten Phosphors im Land gewonnen werden. Damit mache man sich von Rohstoffimporten unabhängiger, sagte er.

Abfallmengen sind zurückgegangen

Der Landkreistag sicherte Untersteller bei seinem Vorhaben volle Unterstützung zu. "Wir praktizieren den Übergang von der Abfall- zur Ressourcenwirtschaft in unseren Betrieben bereits heute und wollen diesen Weg in enger Partnerschaft mit dem Land konsequent weitergehen", erklärte Hauptgeschäftsführer Eberhard Trumpp. Die kommunale Abfallwirtschaft sei ein Garant dafür, dass der Paradigmenwechsel in Richtung 100-Prozent-Verwertung tatsächlich gelinge.

Dem Umweltministerium zufolge sind die Abfallmengen im Land im Vorjahr erneut zurückgegangen. Mit 144 Kilogramm pro Einwohner liege das Haus- und Sperrmüllaufkommen beinahe auf dem historischen Tiefstand von 2008 mit 143 Kilogramm. Insgesamt seien 3,8 Millionen Tonnen Hausabfälle angefallen. Die Müllgebühren für einen durchschnittlichen Vier-Personen-Haushalt seien zudem von 154,45 auf 149,67 Euro gesunken.

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