Nicht durchdacht

Monopolkommission verdächtigt Stromkonzerne des Marktmissbrauchs

Die Kritik kommt von allen Seiten: Jetzt hat auch der Chef der unabhängigen Monopolkommission, Jürgen Basedow, die Befürchtung geäußert, die Energiekonzerne würden ihre Marktmacht missbrauchen. Gleichzeitig geht er davon aus, dass sie auch nach Einsetzung des Regulierers Preiserhöhungen durchsetzen werden.

Stromtarife© Gina Sanders / Fotolia.com

Berlin (ddp/sm) - Angesichts der jüngsten Preiserhöhungen bei Strom und Gas hat auch der Chef der unabhängigen Monopolkommission im Bundestag, Jürgen Basedow, die deutschen Energiekonzerne scharf kritisiert. Der Verdacht auf Marktmissbrauch liege "auf der Hand", sagte Basedow der "Berliner Zeitung" (Mittwochausgabe).

Die vier großen Stromkonzerne RWE, E.ON, Vattenfall Europe und EnBW seien seit der Liberalisierung des Marktes im Jahr 1998 darum bemüht, ihre Gebietsmonopole wieder herzustellen. Den Schaden hätten die Kunden, die steigende Energiepreise hinnehmen müssten, führte er aus. Basedow leitet das Max-Planck- Institut für ausländisches und internationales Privatrecht in Hamburg und leitet die Monopolkommission seit Juli. Das Sachverständigen-Gremium nimmt im Auftrag der Bundesregierung regelmäßig zu Wettbewerbsfragen Stellung.

Basedow geht davon aus, dass die Energiekonzerne auch nach der Arbeitsaufnahme des Energieregulierers Preiserhöhungen durchsetzen wollten. Das Konzept der nachträglichen Regulierung im Netzbereich sei "nicht durchdacht". Sinnvoller sei eine vorgelagerte Preisregulierung.

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