Verdacht

Möglicherweise doch hoch radioaktiver Müll im Endlager Asse

Im Atommülllager Asse lagern offenbar auch rund 100 Fässer mit kugelförmigen Brennelementen aus einem Versuchsreaktor im Kernforschungszentrum Jülich. Aus Dokumenten, die der Nachrichtenagentur ddp vorliegen, geht hervor, dass die aus Graphit bestehenden bestrahlten Kugeln zwischen 1973 und 1976 in das Bergwerk Asse gebracht wurden.

Hochspannungsmasten© Günter Menzl / Fotolia.com

Wolfenbüttel (ddp-nrd/sm) - Nach Angaben von Bürgerinitiativen und der Linke-Fraktion im niedersächsischen Landtag handelt es sich bei den Brennelementen "eindeutig" um hoch radioaktiven Atommüll. Die Linke sprach sogar von "mehreren Hundert Fässern". Bislang hatten Betreiber und Behörden versichert, das Endlager Asse im Kreis Wolfenbüttel enthalte ausschließlich schwach und mittelstark strahlende radioaktive Abfälle.

Die Graphitkugeln aus dem Versuchsreaktor enthalten den Begleitpapieren aus Jülich zufolge unter anderem die radioaktiven Stoffe Cäsium-134, Scandium-46, Europium-154, Ruthenium-155, Antimon-124 sowie das radioaktive Kohlenstoff-Isotop C-14. Vor ihrer Einlagerung in das Bergwerk wurden die Kugeln in flüssigen Beton eingegossen und in Fässer gepackt.

"Die Graphitkugeln fallen natürlich unter die Rubrik hoch radioaktiv", sagte der Göttinger Chemieprofessor Rolf Bertram am Freitag auf ddp-Anfrage. Im Endlager befinde sich auch etwa ein Kilogramm des hoch radioaktiven Stoffes Americium-241. "Americium ist ein Zerfallsprodukt von Plutonium und der stärkste Alpha-Strahler, den es überhaupt gibt", betonte Bertram. Der Chemieprofessor ist einer von drei Wissenschaftlern, die das vom Landkreis Wolfenbüttel eingerichtete Begleitgremium fachlich beraten.

Der zwischen 1959 und 1966 in Jülich gebaute Versuchsreaktor war ein Prototyp für den später in Hamm errichteten Hochtemperaturreaktor. Anders als bei den Leichtwasserreaktoren sind die Brennelemente bei diesem Kraftwerkstyp nicht stab-, sondern kugelförmig. Zudem werden Hochtemperaturreaktoren mit Gas statt mit Wasser gekühlt. Sowohl der Versuchsreaktor als auch der Leistungsreaktor in Hamm wurden nach etlichen Pannen stillgelegt.

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