Neue Debatte

Mögliche Atomstrom-Auktion mit geteiltem Echo

Die vier großen Energiekonzerne in Deutschland haben die Idee einer Versteigerung von längeren Laufzeiten für Kernkraftwerke mit deutlicher Zurückhaltung aufgenommen. Auch innerhalb der CSU gibt es Bedenken. Andere hingegen sprechen von einer "bestechenden Idee".

Strom sparen© Gina Sanders / Fotolia.com

Berlin/Passau (ddp/red) - Wenig Begeisterung gab es bei Deutschlands größtem Versorger. "Das ist ein alter Vorschlag, der aufgrund zahlreicher rechtlicher und wirtschaftlicher Bedenken zu Recht nicht weiterverfolgt wurde", sagte ein E.ON-Sprecher am Dienstag der Wirtschaftsnachrichtenagentur Dow Jones.

RWE verwies auf das vom Essener Energieversorger ins Spiel gebrachte Konzept eines staatlich verwalteten Fonds, in den ein Teil der Mehrerlöse aus der Laufzeitverlängerung eingezahlt werden soll. Die eingezahlten Gelder sollen dann für die Erforschung erneuerbarer Energien verwendet werden. "Das halten wir für die zielführendere Lösung", sagte eine RWE-Sprecherin.

Die ebenfalls Atomkraftwerke betreibenden Energiekonzerne Energie Baden-Württemberg (EnBW) und Vattenfall Europe wollten das Konzept der Versteigerung längerer AKW-Laufzeiten nicht weiter kommentieren. "Das ist ein weiterer Vorschlag der Politik, und wir kennen keine weiteren Details", sagte ein EnBW-Sprecher lediglich.

Laut "Financial Times Deutschland" (Dienstagausgabe) gibt es in der Koalition Überlegungen, den Kernkraftwerksbetreibern längere Atomlaufzeiten nicht zuzuteilen, sondern sie zu versteigern. "Das ist ein interessanter Vorschlag, der eine ernsthafte Prüfung verdient", zitiert das Blatt Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU).

Unterdessen hatte auch CSU-Landesgruppenchef Hans-Peter Friedrich eine Versteigerung von längeren Laufzeiten für Atomkraftwerke kategorisch abgelehnt. "Die Auktionsidee sieht mir eher nach einem dieser ständigen Ablenkungsmanöver aus, um von politisch notwendigen Entscheidungen abzulenken", sagte Friedrich der "Passauer Neuen Presse" ("PNP", Mittwochsausgabe). Der Vorschlag einer Versteigerung sei nicht unbedingt einleuchtend. Atomkraftwerke könnten so lange laufen, wie sie sicher oder bis sie durch eine bessere Energieerzeugungsform ersetzbar seien.

Bayerns Wirtschaftsminister Martin Zeil (FDP) sprach sich dagegen für eine Versteigerung aus. Es handele sich um "eine bestechende Idee", sagte der FDP-Politiker der "PNP". Dadurch werde auf marktwirtschaftliche Weise ermittelt, wie viel die zusätzliche Stromproduktionsmöglichkeit den Betreibern wert ist. Schwierige Verhandlungen zwischen Bundesregierung und Energiekonzernen über die Höhe der Zusatzgewinne wären überflüssig. Zeil forderte gleichwohl, im Falle einer Auktion auf die Brennelementesteuer zu verzichten.

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