Chance für die Wertschöpfungskette

Mobilität mit Biomasse: Nachwachsende Energieträger nutzen

Wenn es nach Mecklenburg-Vorpommerns Landwirtschaftsminister Till Backhaus geht, dann könnten Pferde bald wieder zu 'Hafermotoren' werden. Der Minister sieht Kraftstoffe vom Acker vor einer großen Zukunft. Aus fast jeder in der Land- und Forstwirtschaft anfallenden Form von Biomasse könne man Kraftstoff gewinnen und so den Landwirt zum Energiewirt machen.

Strompreise© Andre Bonn / Fotolia.com

Früher war die Produktion von "Kraftstoff" auf landwirtschaftlichen Betrieben gang und gäbe. Der auf den Feldern erzeugte Hafer diente als energiereiches Futter für die als Hafermotoren bezeichneten Pferde, die für viele schwere Zugarbeiten auf den Höfen benötigt wurden. Mit dem zunehmenden Einsatz von Traktoren wurde der Anbau von Hafer als Energiepflanze jedoch bedeutungslos. Doch nun könnten Kraftstoffe vom Acker vor einem neuen großen Boom stehen: Das "SunDiesel" der Choren Nord GmbH kann den Angaben zufolge aus jedweder Form von Biomasse aus der Land- und Forstwirtschaft erzeugt werden und bietet so neue Chancen, fossile durch nachwachsende Energieträger zu ersetzen.

Bei einem Besuch der Choren Nord GmbH auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin zeigte sich Mecklenburg-Vorpommerns Landwirtschaftsminister Till Backhaus ziemlich angetan von den Möglichkeiten, die sich bei der Energieproduktion auf dem Acker und im Forst abzeichnen. Der in der Biomasse - also in den Pflanzen - gebundene Kohlenstoff dient als Energieträger für das von Choren entwickelte Carbo-V-Verfahren. Dabei werde der in der ganzen Pflanze enthaltene Kohlenstoff genutzt, um über verschiedene Syntheseschritte SunDiesel herzustellen. Dieser Kraftstoff sei CO2-neutral, absolut teer- sowie aromatenfrei und könne ohne Umrüstung bei den heutigen Dieselmotoren genutzt werden. Nach derzeitiger Planung, so Backhaus, werde im Jahr 2006 der Grundstein für das erste große SunDiesel-Werk in Mecklenburg-Vorpommern gelegt.

Wichtig sei, so Backhaus, dass die effiziente Erzeugung nachwachsender Energieträger auch die Chance biete, leichte sandige Standorte etwa in Mecklenburg-Vorpommern mit einem nachhaltigen, standortgerechten Anbau von Energiepflanzen in der Nutzung zu halten. Damit könne nicht zuletzt auch die Landschaftspflege durch die Landwirtschaft weiter gewährleistet werden.

Hubertus Ritter von Kempski, Choren Nord GmbH, verwies in dem Gespräch mit Minister Backhaus auf die vielfältigen Wirkungen von SunDiesel: Er sei regenerativ und damit nachhaltig umweltfreundlich, biete neue Chancen für die Wertschöpfungskette in der Land- und Forstwirtschaft und führe aufgrund der uneingeschränkten Nutzbarkeit jeglicher Biomasse zu vielfältigen Fruchtfolgen. Damit seien nicht zuletzt auch Vorteile für die Gesundheit und Fruchtbarkeit der Böden verbunden.

Das könnte Sie auch interessieren
  • Hochspannungsmasten

    Biomasse muss Sozial- und Umweltstandards erfüllen

    Strom aus Pflanzen soll sauberer werden. Der Bundestag stimmte in der Nacht zu Freitag einer Verordnung zur Nachhaltigkeit von flüssiger Biomasse etwa aus Pflanzenölen zu, aus der Strom gewonnen wird. So darf ab 2010 nur noch Biomasse eingesetzt werden, die nachhaltig produziert wurde:

  • Hochspannungsmasten

    UBA: Landwirtschaft und Umweltschutz profitieren von Energie aus Biomasse

    Zum Start der Grünen Woche in Berlin weist das Umweltbundesamt (UBA) darauf hin, dass seit der Novellierung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes vor zwei Jahren immer mehr Landwirte in Biogasanlagen investieren und – mit staatlicher Unterstützung – nachwachsende Rohstoffe wie Raps, Mais oder Getreide anbauen.

  • Strom sparen

    15 Kühe produzieren Strom für vier Haushalte

    Der Fachverband Biogas e.V. präsentiert sich auf der Ernährungs- und Landwirtschaftsmesse "Grüne Woche" erneut mit einem Erlebnisbauernhof. Der Dung der dort 15 "ausgestellten" Kühe würde reichen, um vier Haushalte mit Strom zu versorgen. Strom und Wärme aus Gülle, Gras- und Maissilage - die Biogas-Experten zeigen, wie's geht.

  • Strompreise

    Analyse: Nachfrage nach Biomasse-Kraftwerken steigt weiter

    Die Unternehmensberatung Frost & Sullivan kommt in einer aktuellen Analyse zu dem Ergebnis, dass der Biomasse-Markt in Europa, im Nahen Osten und in Afrika erheblich wachsen wird. Bis zum Jahr 2020 rechnet Frost & Sullivan mit einem Anstieg der installierten Kapazität auf über 60 000 Megawatt.

  • Stromnetz Ausbau

    Energielandwirt: Wer Raps säht, wird Energie ernten

    Auf einer Tagung in Bonn diskutierten 150 nationale und internationale Fachleute kürzlich darüber, wie man der Landwirtschaft eine dauerhafte neue wirtschaftliche Grundlage schaffen könnte.

Top