Zwist

Ministerien uneins über Bewertung der Energieszenarien

Bei der Bewertung des Gutachtens über die Auswirkungen längerer Laufzeiten für Atomkraftwerke kommen Wirtschafts- und Umweltministerium zu unterschiedlichen Ergebnissen. Die Laufzeit hat für Röttgen eine "allenfalls marginale und keinesfalls entscheidende Bedeutung", was sein Kabinettskollege vollkommen anders sieht.

Stromnetz Ausbau© Thomas Aumann / Fotolia.com

Berlin (ddp/red) - Insgesamt sei nach Aussage der Gutachter der größte volkswirtschaftliche Nutzen bei einer Laufzeitverlängerung zwischen 12 und 20 Jahre zu erwarten, sagte Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) am Montag in Berlin.

Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) unterstrich hingegen, dass in allen Szenarien alle relevanten Ziele, die sich Bundesregierung gesetzt habe, machbar seien. Er bezog sich damit auf die Klimaschutzziele, den Ausbau erneuerbarer Energien und Versorgungssicherheit. Die Laufzeit habe daher "eine allenfalls marginale und keinesfalls entscheidende Bedeutung". Vielmehr hätte eine Verlängerung der Laufzeiten zur Folge, dass der Druck zur technologischen Neuerung sinken könne.

Röttgen verwies darauf, dass die Infrastruktur in Deutschland weiter verbessert werden müsste, um die Energieversorgung mit Erneuerbaren zu gewährleisten. Dazu gehörten der massive Ausbau der Stromnetze und verbesserte Speicherkapazitäten. "Das ist die Brücke, die wir bauen müssen, um die erneuerbaren Energien zu erreichen. Und für diese Brücke brauchen wir die Kernenergie. In welcher genauen Zahl, das werden wir dann noch erörtern."

Brüderle betonte: "Wenn die Brücke zu kurz ist, fallen wir ins Wasser." Ein zu früher Ausstieg aus der Kernkraft könne dazu führen, dass die Kohlekraft wieder stärker gebraucht werde, was sich negativ auf den Klimaschutz auswirken werde. Zwar könnten die Erneuerbaren perspektivisch den Hauptanteil an der Energieversorgung übernehmen, die Herausforderungen seien jedoch enorm. "Der in den Szenarien beschriebene Weg ist kein Sonntagsspaziergang durchs Siebengebirge. Bei dem, was wir vorhaben, geht es eher um die Eiger Nordwand", sagte Brüderle mit Blick auf Röttgens Heimat in Nordrhein-Westfalen.

Das Energiewirtschaftliche Institut an der Universität Köln (EWI), die Gesellschaft für wirtschaftliche Strukturforschung (GWS) und die Prognos AG hatten in den vergangenen Wochen die Auswirkungen von Laufzeitverlängerungen um 4, 12, 20 und 28 Jahre berechnet. Die beiden Minister stellten die Szenarien am Montag in Berlin vor. Nach bislang geltendem Recht muss der letzte der 17 deutschen Atommeiler um das Jahr 2022 herum abgeschaltet werden.

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