Letzte Chance

Minister droht mit Abschaltung von AKW Krümmel

Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Carstensen setzt den Vattenfall nach der neuerlichen Krümmel-Panne unter Druck. "Das ist der letzte Versuch, den er hat", sagte Carstensen nach einem Gespräch mit Vattenfall-Europe-Chef Tuomo Hatakka. Anderenfalls wolle er sich persönlich um eine Abschaltung der Anlage kümmern.

Energieversorung© Gina Sanders / Fotolia.com

Kiel/Köln (ddp/red) - Carstensen betonte nach dem Gespräch in der Kieler Staatskanzlei, er habe "deutliche Worte" zu den jüngsten Ereignissen im AKW Krümmel gefunden. "Ich bin stinksauer", sagte der Regierungschef. Notwendig sei eine "saubere Analyse". Vattenfall habe denjenigen, die einen Energiemix wollten, "einen Bärendienst erwiesen". Wenn es wieder Störfälle geben sollte, werde er politisch handeln müssen.

Carstensen wies zugleich Forderungen von Bundesumweltminister Gabriel zurück, die Atomaufsicht auf den Bund zu verlagern. "Die Atomaufsicht muss dort bleiben, wo die Expertise ist", sagte Carstensen. Seine zuständige Ressortchefin Gitta Trauernicht (SPD) mache ihre Aufgabe gut.

Vattenfall zeigt Verständnis für Empörung

Vattenfall Europe zeigte Verständnis für die Reaktionen der Politik. "Ich kann auch gut verstehen, dass der Ministerpräsident und auch andere wütend sind", sagte Unternehmenssprecher Ivo Banek am Mittwoch im Deutschlandfunk.

Gleichzeitig betonte Banek, bei der Reaktorschnellabschaltung am Samstag sei "technisch wieder eigentlich wenig passiert". Er fügte hinzu: "Die Sicherheitssysteme haben bei der Schnellabschaltung alle einwandfrei funktioniert." Aber das Unternehmen habe nicht die Möglichkeit, "in jede Unterlegscheibe die ganze Zeit über reinzugucken".

Der Sprecher räumte jedoch Pannen bei der Information der Aufsichtsbehörde und beim Einbau einer Überwachungseinrichtung in dem Meiler ein. "Wir haben in den ersten 40 Minuten nicht direkt aus dem Kraftwerk in der Aufsichtsbehörde, dem Kieler Sozialministerium, angerufen und informiert, sondern wir haben zunächst die Polizei informiert." Banek warnte jedoch vor einem Wahlkampf, der mit den Ängsten der Menschen spiele und "ein technisch eigentlich nicht sehr bedeutendes Ereignis in einem Kernkraftwerk zu einer Beinahekatastrophe hochstilisiert".

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