Atomausstieg

Minister: AKW Obrigheim stellt Anfang Mai Betrieb endgültig ein

Das Kernkraftwerk Obrigheim geht Anfang Mai endgültig vom Netz. Einen entsprechenden Bericht zur Stillegung des ältesten Atomkraftwerks in Deutschland nahm das baden-württembergische Kabinett in seiner heutigen Sitzung "zur Kenntnis", wie Umweltminister Stefan Mappus (CDU) in Stuttgart mitteilte.

Strom sparen© Gina Sanders / Fotolia.com

Stuttgart/Obrigheim (ddp/sm) - Die Abschaltung des Kernkraftwerks sei weder aus sicherheitstechnischen noch aus wirtschaftlichen Gründen erforderlich. Die bevorstehende Stilllegung sei ausschließlich Folge des Atomkonsenses, der 2001 zwischen Bundesregierung und den Energiekonzernen vereinbart worden war. "Die Landesregierung von Baden-Württemberg hält den Ausstieg aus der Kernenergie energie- und umweltpolitisch für falsch", sagte Mappus. Dieser Ausstieg sei "für Deutschland mit einer Vernichtung von volkswirtschaftlichen Investitionen und Arbeitsplätzen sowie einem technologischen Wissensverlust verbunden".

Nach Darstellung des Ministers sollen die Stilllegung und der Abbau in drei Genehmigungsschritten erfolgen. Nach heutiger Einschätzung werde der Rückbau etwa 14 Jahre dauern. Danach seien eine erneute Nutzung der Gebäude oder der konventionelle Abriss denkbar. Radioaktive Reststoffe würden "entweder schadlos verwertet oder als radioaktiver Abfall bis zur Ablieferung an ein bundeseigenes Endlager" in bestehenden Lagergebäuden der Anlage zwischengelagert. Abgebrannte Brennelemente sollen in einem Zwischenlager wie in Philippsburg und Neckarwestheim in Castorbehältern gelagert werden, bis ein Endlager verfügbar sei. Ein Antrag für ein Zwischenlager werde voraussichtlich im Jahr 2006 beim Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) gestellt.

Das Kernkraftwerk Obrigheim im Neckar-Odenwald-Kreis wurde 1968 fertiggestellt und nahm 1969 den kommerziellen Betrieb auf. Ursprünglich sollte es bereits zum Jahreswechsel 2002/03 noch vor dem AKW Stade vom Netz gehen, das im November 2003 heruntergefahren wurde. In einer Zusatzvereinbarung wurde der Betreiberfirma EnBW jedoch eingeräumt, Strommengen vom Kernkraftwerk Philippsburg auf Obrigheim zu übertragen und damit die Laufzeit zu verlängern.

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