Energiearmut

Millionen Haushalte können kaum die Stromrechnung bezahlen

Millionen deutsche Haushalte haben einem Bericht zufolge massive Probleme beim Begleichen ihrer Stromrechnung. In mehr als sechs Millionen Mahnverfahren kündigten die Stromlieferanten 2011 laut einem Bericht der Zeitung "taz" vom Mittwoch an, den Strom abzustellen. Für das laufende Jahr dürften die Zahlen noch gestiegen sein.

Stromkosten© Sergej Toporkov / Fotolia.com

Berlin (AFP/dapd/red) - 312.000 Haushalten und Unternehmen sei die Stromversorgung tatsächlich gekappt worden, berichtete die Zeitung unter Berufung auf einen noch unveröffentlichten Bericht der Bundesnetzagentur, die sich auf Anfrage nicht näher äußern wollte.

Wann wirklich der Strom abgestellt wird

Mit dem Abstellen des Stroms wird dem Bericht zufolge ab Ausständen von rund 120 Euro gedroht. Die meisten Verbraucher hätten anschließend gezahlt oder sich mit dem Versorger über die Stundung der Stromkosten geeinigt, berichtete die "taz" unter Berufung auf die Bundesnetzagentur. Demnach befragte die Bundesnetzagentur für den Bericht erstmals alle Lieferanten und Netzbetreiber nach Versorgungsunterbrechungen.

Strom wird für viele Menschen zum Luxusgut

Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen hatte im Februar mitgeteilt, 2010 hätten Energieversorger in dem bevölkerungsreichsten Bundesland über drei Millionen Mal die Zahlung von Stromrechnungen angemahnt. 340.000 Haushalten sei die Sperrung des Anschlusses angedroht worden, 62.000 Kunden sei der Strom tatsächlich abgestellt worden. Preiserhöhungen bei Strom und Gas in Höhe von durchschnittlich 15 Prozent hätten Energie für viele Haushalte "zur unbezahlbaren Ware" werden lassen, kritisierten die Verbraucherschützer.

Anbieterwechsel bleibt Bedürftigen oft verwehrt

Problematisch ist weiterhin, dass viele Bedürftige den Stromanbieter gar nicht wechseln können, womit ihnen eine wichtige Einsparmöglichkeit verwehrt bleibt. Denn zum Wechsel wird meist eine ausreichende Bonität vorausgesetzt, die auf Transferleistungen angewiesene Menschen in der Regel nicht gewährleisten können.

Quelle: AFP

Das könnte Sie auch interessieren
  • Justiz

    Vor der Kündigung: Grundversorger muss Zahlungsrückstände einklagen

    Wenn ein Stromkunde seine Rechnung nicht begleicht und dabei Zahlungsrückstände entstehen, dürfen Grundversorger nicht ohne weiteres den Vertrag kündigen. So entschied das Landgericht Frankenthal in einem bestimmten Fall, bei dem ein Kunde seine Stromrechnung nur teilweise beglichen hatte.

  • Strompreiserhöhung

    Vergleich: Belastung durch Stromkosten im Osten deutlich höher

    Bei den Stromkosten trifft es Verbraucher im Osten des Landes deutlich härter als im Westen. Das liegt zum einen daran, dass die Strompreise variieren. Zum anderen fällt wegen der unterschiedlich hohen Gehälter die Belastung für Ostdeutsche aber noch höher aus.

  • Steckdose

    Ökostrom-Umlage wird wohl auf hohem Niveau bleiben

    Aufgrund der Förderung erneuerbarer Energien müssen die Verbraucher in Deutschland auch über das Jahr 2013 hinaus mit hohen Stromkosten rechnen. Für 2014 prognostizierten die Übertragungsnetzbetreiber am Donnerstag eine Ökostrom-Umlage zwischen 4,89 Cent und 5,74 Cent pro Kilowattstunde.

  • Stromrechnung

    Warum nicht alle Stromanbieter die Preise erhöhen

    Deutschland erlebt die stärkste Strompreiswelle seit Jahren; 468 Anbieter haben höhere Preise angekündigt. Doch nicht alle Versorger erhöhen die Preise, die Erhöhungen fallen sehr unterschiedlich aus, obwohl die Bedingungen durch die staatlichen Eingriffe doch für alle gleich scheinen. Woran liegt das?

  • Telefon Abrechnung

    010040 schaltet Anwalt gegen Kunden ein

    Derzeit bekommen einige Call-by-Call-Nutzer, die sich über die 010040 beschwerten, Post vom Anwalt. Darin werden sie aufgefordert, ihre Beschwerde über falsche Preisansagen zurückzuziehen, andernfalls könnten strafrechtliche Konsequenzen drohen.

Top