Vernünftiges Stromnetz

Mieter im Altbau haben Anspruch auf technische Mindeststandards

Einem aktuellen Urteil des Bundesgerichtshofs zufolge muss der Eigentümer von Altbauwohnungen wenigstens für einen heute üblichen Mindeststandard bei der Elektrik sorgen. Geklagt hatte ein Mieter, bei dem das Stromnetz in der Wohnung so schwach war, dass immer nur ein Elektrogerät eingeschaltet werden konnte.

Stromnetz Ausbau© Thomas Aumann / Fotolia.com

Berlin (ddp/sm) - Auch in einem Altbau haben Mieter Anspruch auf technische Mindeststandards und müssen auf bestimmte Annehmlichkeiten nicht verzichten. Vermieter müssen eine Altbauwohnung aber nicht ständig auf den neuesten Stand bringen. Das geht aus einem Urteil des Bundesgerichtshofes (BGH) hervor, wie der LBS-Infodienstes Recht und Steuern in Berlin mitteilte (AZ: VIII ZR 281/03).

Wer als Mieter in einen Altbau einzieht, kann also nicht erwarten, dass ihm die modernste Haustechnik zur Verfügung steht. Solche Wohnungen dürfen durchaus kleine "Macken" haben. Doch der Eigentümer muss laut BGH-Urteil wenigstens für einen heute üblichen Mindeststandard bei der Elektrik sorgen.

In dem verhandelten Fall war das Stromnetz in der Wohnung zu schwach: Immer, wenn beispielsweise die Waschmaschine lief, mussten andere elektrische Geräte ausgeschaltet bleiben. Dazu kam, dass sich im Badezimmer gar keine Steckdose befand. Der Eigentümer lehnte eine Nachbesserung mit der Begründung ab, die Kläger hätten schließlich vor ihrem Einzug die Wohnung ausführlich besichtigt und sich mit deren Gesamtzustand einverstanden erklärt.

Die BGH-Richter verpflichteten den Eigentümer, für eine gebrauchsfähige Steckdose im Bad zu sorgen und in der Wohnung den gleichzeitigen Betrieb von mehreren elektrischen Geräten zu ermöglichen. Das könne ein Mieter "nach der allgemeinen Verkehrsanschauung" erwarten. Das Objekt erfülle derzeit den erforderlichen Mindeststandard nicht. Aber, schränkten die Richter ein, "nicht alles, was bei Neubauten und im modernen Wohnungsbau zwischenzeitlich üblich geworden ist, kann auch bei Altbauten als üblich angesehen oder zum Maßstab gemacht werden".

Das könnte Sie auch interessieren
  • Reihenhaus

    Verband: Mieten steigen im unteren Preissegment

    Die Mieten steigen laut Eigentümerverband Haus und Grund nur im unteren Preissegment. Im Rückblick auf die letzten sechs Monate sind die Preise dem Verband zufolge nicht mehr angehoben worden. Der Deutsche Mieterbund hat daran seine Zweifel.

  • Mietvertrag

    Forscher: Mietpreisbremse wirkt nicht mehr

    Die Mietpreisbremse wurde ursprünglich eingeführt, um die steigenden Mieten in den Großstädten zu begrenzen. Leider geht die Rechnung Wissenschaftlern zufolge nicht auf.

  • Strompreise

    Greenpeace: Wärmedämmung könnte Tausende neuer Jobs schaffen

    Die Umweltschutzorganisation Greenpeace hat die Bundesregierung aufgefordert, künftig im Rahmen der Wärmeschutzverordnung Wohneigentümer zur Sanierung ihrer Gebäude zu verpflichten. Im Hamburger Raum aufgenommene Thermografie-Bilder hätten eine massive Energieverschwendung durch fehlende Wärmedämmung gezeigt.

  • Strompreise

    Feldversuch erfolgreich: dena-Energiepass mobilisiert Potenziale

    Mit über 4100 ausgestellten Gebäudeenergiepässen wurde das ursprüngliche Ziel von 3300 Pässen während des Feldversuchs deutlich übertroffen. Laut dena überzeugt der Gebäudeenergiepass der Deutschen Energie-Agentur GmbH als innovatives Instrument zur Mobilisierung von Energieeffizienz-Potenzialen im Gebäudebestand.

  • Strom sparen

    Betriebskostenabrechnung: Vermieter muss sich an die Regeln halten

    Langsam trudeln sie wieder ins Haus: Die Nebenkostenabrechnungen vom Vermieter. Dabei muss sich der Vermieter an einige Regeln halten, z.B. kann er Nachforderungen nur geltend machen, wenn er die einjährige Abrechnungsfrist einhält. Abgerechnet werden können u.a. Grundsteuer, Müllabfuhr und Wasserversorgung.

Top