Build 2015

Microsofts neuer Browser heißt "Edge"

Auf der Entwicklerkonferenz "Build" stellt Microsoft neue Entwicklungen rund um Windows und Office vor. So hat das Unternehmen angekündigt, Apps für iOS und Android auch auf Windows-Geräte bringen zu wollen. Der neue Browser wiederum soll "Edge" heißen.

Microsoft© Microsoft

San Francisco (dpa/red) - Microsoft will mit Windows 10 einen fulminanten Neustart hinlegen: In zwei bis drei Jahren würden eine Milliarde Geräte mit dem neuen System laufen, kündigte Terry Myerson, Plattform-Chef bei Microsoft, auf der Entwicklerkonferenz Build in San Francisco an. Dieses ehrgeizige Ziel kann allerdings nur erreicht werden, wenn Microsoft es schafft, seinem Windows-Betriebssystem im großen Stil den Sprung auch auf Tablets und Smartphones zu ebnen. Und dafür öffnet sich Microsoft noch ein wesentliches Stück weiter.

Alles neu mit Windows 10

Die Abhängigkeit vom rückläufigen Geschäft mit Personal Computern macht Microsoft zu schaffen, denn damit sinken die Einnahmen bei Microsofts traditioneller Cash Cow Windows. Microsoft wolle nun allen Software-Entwicklern komfortable Brücken bauen, erklärte Microsoft-Chef Satya Nadella. Die Einladung richtet sich ausdrücklich an die Entwickler, die bislang vor allem für die konkurrierenden Plattformen iOS (Apple) und Android (Google) programmieren. Und bei Windows 10 soll kaum etwas noch an seine alten Vorgänger erinnern.

Bedienung ganz nach Wunsch

Windows 10 lässt sich mit Tastatur und Maus, mit Stift oder Fingertipp sowie per Sprache steuern. Damit gibt Microsoft die Priorisierung von Geräten mit berührungsempfindlichen Displays auf, mit der der Konzern so manche Nutzer verprellt hatte. Auf dem PC kann der Nutzer nun auch wieder seinen gewohnten Start-Bildschirm sehen. Windows 10 soll sich automatisch an Geräte anpassen. Mit der Entwicklung "Continuum" erkennt das System, auf welchem Gerät es läuft und optimiert die Darstellung entsprechend der Größe und Nutzung. Damit könne jedes Smartphone auch als PC genutzt werden, sagte Windows-Manager Joe Belfiore.

Wie Myerson ankündigte, wird es Windows 10 als Upgrade für ein Jahr kostenlos geben. Einen offiziellen Marktstart nannte er jedoch nicht. Möglicherweise aus Gedankenlosigkeit hatte zuletzt die Chefin des Chipdesigners AMD Ende Juli als Starttermin genannt, der von Microsoft jedoch noch nicht bestätigt wurde.

Bei Smartphones weit abgeschlagen

Aktuell läuft Windows weltweit auf 1,5 Milliarden Geräten und rund 95 Prozent aller Computer weltweit. Das aktuelle Windows 8 allerdings ist nicht einmal auf 15 Prozent der PCs installiert. Und auf dem Smartphone-Markt liegt Windows laut Marktforschung IDC mit einem Marktanteil von 2,8 Prozent weit abgeschlagen hinter den Marktführern Google und Apple.

Plan: Mehr Apps für Windows

"Die Herausforderung, die Microsoft noch immer hat, ist, eine kritische Masse an Apps vorzuweisen", sagte Merv Adrian, Analyst bei der Marktforschung Gartner, dem Technologie-Blog "CNET". Dafür werde Microsoft die Grenzen seines Betriebssystems einreißen, versprach Nadella, der vor knapp anderthalb Jahren die Führung des Software-Konzerns übernommen hatte. Apps, die einmal für Android oder iOS programmiert wurden, sollen künftig ohne größeren Aufwand auf Windows 10 laufen. "Wir wollen sicherstellen, dass wir den Entwicklern hier die größte und lebendigste Nutzerbasis für ihre Anwendungen bieten."

Android- und Apple-Apps portieren

Über ein in Windows integriertes Subsystem sollen Android-Anwendungen, die die Entwickler bei Microsoft registrieren lassen, problemlos auch auf Windows-Telefonen laufen. Über das Entwickler-Werkzeug Visual Studio, das erstmals auch andere Plattformen wie Apples Desktop-Plattform OS X oder Linux unterstützt, ließen sich auch Apps aus Apples iOS in Windows 10 portieren. "Visual Studio ist für alle Entwickler da", sagte Microsofts Cloud-Chef Scott Guthrie. Die Software soll ab sofort verfügbar sein. Ob Software-Entwickler sich von dieser Vision anstecken lassen werden, bleibe abzuwarten, sagte Gartner-Analyst Adrian. Der Enthusiasmus im Moscone Center in San Francisco sei jedoch spürbar gewesen.

Nutzung über Geräteklassen hinweg

Windows 10 sei eine völlig neue Generation von Windows, die es Nutzern erlaube, über alle Geräteklassen hinweg zu interagieren - sei es über Tastatur, Touch, Sprache oder sogar Hologramme, sagte Nadella. Und für Entwickler soll es die attraktivste Plattform überhaupt werden, die niemand mehr ignorieren könne. Microsoft bau dabei auf die Attraktivität der intelligente Sprachassistentin Cortana und der holografischen Datenbrille HoloLens.

Microsoft setzt auf HoloLens

Cortana, Microsofts Gegenentwurf zu Apples Sprachassistentin Siri, soll es Entwicklern ermöglichen, neuartige Anwendungen über Software-Grenzen hinweg zu schaffen. Und mit ersten Anwendungen seiner Datenbrille sowie des in Windows 10 integrieren Windows Holographic gewährte HoloLens-Chef Alex Kipman einen Blick in die Zukunft. "Windows Holographic ist für Träumer, Kreative und - Entwickler", sagte Kipman. Anders als bei Brillen für Virtuelle Realität lassen sich mit dem System virtuelle Objekte in den realen Raum projizieren, bewegen, verschieben und nutzen.

Besonders in der Architektur, Archäologie, Medizin oder Chemie könne HoloLens damit für einen radikalen Paradigmenwechsel sorgen, sagte Kipman. Dreidimensionale Entwürfe ließen sich zum Beispiel im Raum darstellen und gemeinsam bearbeiten. Zu den ersten Partnern gehöre auch die Raumfahrtbehörde Nasa. HoloLens solle aber künftig Teil des alltäglichen Lebens werden.

Da HoloLens in Windows 10 integriert sein wird und jede universale App damit als Hologramm laufen kann, dürfe es Microsoft nicht schwer fallen, die Entwickler davon zu überzeugen, schätzt J.P. Grownder von der Marktforschung Forrester. Auch wenn vieles, was Kipman in San Francisco aus dem Köcher zog, nach reinem Science-Fiction aussah, erntete Microsoft mit seiner Vorstellung großen Respekt unter Branchenbeobachtern.

IE-Nachfolger soll "Edge" heißen

Auch einen neuen Browser spendiert Microsoft seinem neuen Betriebssystem. Der zuvor unter dem Namen Project Spartan gehandelte Nachfolger des Internet Explorers werde "Edge" heißen, kündigte Windows-Manager Joe Belfiore an. Einen konkreten Starttermin für Windows 10 nannte das Unternehmen auch in San Francisco noch nicht. In einem Blog-Eintrag schrieb Myerson zuletzt, das System werde "im Sommer" auf den Markt kommen.

Quelle: DPA

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