Heikler Vorgang

Mibrag-Kohleexport nach Tschechien sorgt für Irritationen

Braunkohlelieferungen der Braunkohlengesellschaft Mibrag nach Tschechien haben Irritationen ausgelöst. Während die Mibrag von "ganz normalen" Probelieferungen sprach, stuften Politiker den Kohleexport ganz anders ein - nicht zuletzt vor dem Hintergrund eines weiteren geplanten Braunkohletagebaus.

Stromnetz Ausbau© Thomas Aumann / Fotolia.com

Halle (ddp/red) - Mibrag-Geschäftsführer Joachim Geisler bestätigte der "Mitteldeutschen Zeitung" (Samstagsausgabe), dass im vergangenen Jahr 38.000 Tonnen Kohle ins Nachbarland exportiert worden seien. Geisler sprach dabei von ganz normaler Geschäftstätigkeit und Probelieferungen an potenzielle Kunden. Sachsen-Anhalts Wirtschaftsminister Reiner Haseloff (CDU) dagegen stufte den Kohleexport als "nicht unerheblich" ein.

Brisanz gewinnt der Vorgang vor dem Hintergrund, dass bei Lützen der Aufschluss eines weiteren Braunkohle Tagebaus geplant ist. Diesen soll es Haseloff zufolge nur geben, wenn in Profen ein Kraftwerk entstehe, das mit Lützener Kohle betrieben wird. Sollte Kohle aus Mitteldeutschland nach Tschechien geliefert werden, dürfe es keine aus Lützen sein, betonte er. Die Mibrag fördert jährlich rund 19 Millionen Tonnen Braunkohle.

Die Gegner des Tagebauneuaufschlusses bleiben derweil skeptisch. "Unsere Heimat wird weiter zerstört, obwohl wir hier die Kohle gar nicht brauchen", sagte Dorothee Berthold von der Bürgerinitiative Lützen der Zeitung.

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