Zu hohe Preise

Metallindustrie fordert international wettbewerbsfähige Stromlieferverträge

Von 2001 bis 2007 werde mit einer 70-prozentigen Erhöhung der Strompreise in Deutschland gerechnet, bemängelt die Wirtschaftsvereinigung Metalle. Schon heute gehörten die Industriestrompreise hierzulande zu den höchsten in Europa. Daher würden deutliche Signale für die Zukunftssicherung erwartet.

Hochspannungsmasten© Günter Menzl / Fotolia.com

Berlin (red) - Die Versorgung der energieintensiven Industrien in Deutschland mit Strom zu international wettbewerbsfähigen Preisen ist laut Aussagen der Wirtschaftsvereinigung Metalle (WVM) akut gefährdet. Strompreiserhöhungen und weitere Ankündigungen hierzu gefährden die Produktion von Aluminium und Kupfer in Deutschland nachhaltig. Für die Stromversorger sei es vielleicht nicht dramatisch, den ersten industriellen Kunden zu verlieren, den letzten jedoch allemal, so die WVM weiter. Die Verlagerung der Metallproduktion ins Ausland sei auch aus Umweltgründen der falsche Weg, weil in vielen dieser Länder mit weit niedrigeren Umweltstandards gearbeitet würde, so Präsident Dr. Karl Heinz Dörner.

Nach einer Prognose der WVM werden sich die Strompreise für die Metallindustrie im Vergleich von 2001 zu 2006 um bis zu 70 Prozent erhöhen, womit das Gegenteil der angestrebten Liberalisierung erreicht wäre. Industriestrompreise in Deutschland lägen schon heute etwa 20 Prozent höher als vor zwei Jahren und seien nach Italien die höchsten in Europa.

Darum hält die Vereinigung es für notwendig, die anstehende Novelle des Energierechts zu nutzen, um Bedingungen für einen fairen und funktionierenden Wettbewerb auf dem Energiemarkt zu erreichen. Schon jetzt seien die Netzgebühren in Deutschland dreimal höher als beispielsweise in den Niederlanden. Die nationale Gesetzgebung müsse bei der Novellierung des Energiewirtschaftsgesetzes das europäische Gleichgewicht beachten und mehr Markt durch eine dynamische Anreizregulierung ermöglichen. Die Leipziger Strombörse EEX bietet nach Meinung der WVM keine ausreichende Transparenz. Wie immer die Preise zustande kämen, sie seien keine Basis für Langfristverträge, die ein Überleben der Produktion der Nichteisen-Metalle in Deutschland ermögliche.

Unzufrieden zeigte sich Dörner auch mit der Fortschreibung des EEG und der damit verbundenen Härtefallklausel für die energieintensive Industrie. Die stetig wachsende Windstrommenge führe zu erheblichen und schnell steigenden Kosten für den Ausbau der Netze und für die Vorhaltung von fossilbefeuerten Reservekraftwerken, um die schwankende Stromproduktion der Windanlagen abzusichern. Trotz der Härtefallklausel sei die NE-Metallindustrie durch die staatliche Förderung der erneuerbaren Energien in der jetzigen Form im internationalen Vergleich eindeutig belastet.

Die WVM erwartet in den kommenden Wochen deutliche Signale von der Stromwirtschaft und der Politik zugunsten des Standortes Deutschland und für die Zukunftssicherung der energieintensiven Industrie.

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