Vertrauensdefizit

Merkel will AKW Krümmel nicht endgültig abschalten

Anders als Vizekanzler Steinmeier fordert Merkel kein sofortiges Aus für das Atomkraftwerk Krümmel. Wenn die Sicherheit des Betriebs gewährleistet und alle im Atomgesetz geregelten Voraussetzungen erfüllt seien, könne der Meiler nach Ansicht der Kanzlerin auch wieder ans Netz gehen, sagte Vize-Regierungssprecher Thomas Steg .

Strom sparen© Gina Sanders / Fotolia.com

Berlin (red) - Zwischen Merkel und Steinmeier gebe es "in der Bewertung dieser konkreten Frage einen Unterschied". Auch für die Kanzlerin sei unstrittig, dass der Energiekonzern Vattenfall aufgrund der wiederholten Vorkommnisse in Krümmel an öffentlichem Vertrauen verloren habe, sagte Steg. Das Unternehmen sei "sicherlich gut beraten" alles zu tun, "um dieses öffentliche Vertrauen zurückzugewinnen".

Für das Atomgesetz sei aber nicht das Vertrauen der Öffentlichkeit, sondern die Zuverlässigkeit des Betreibers relevant. Dazu zähle auch die Qualifikation des Akw-Personals. Insofern sei für die Kanzlerin "völlig klar", dass die Frage des Weiterbetriebs auf Grundlage der geltenden rechtlichen Bestimmungen zu entscheiden sei, sagte Steg. Steinmeier hatte am Donnerstag eine endgültige Stilllegung des Akw Krümmel als "Gebot der Vernunft" bezeichnet.

Das AKW Krümmel nahe Hamburg ist aufgrund eines Transformator-Kurzschlusses sowie nach mehreren technischen Problemen seit Samstag abgeschaltet und soll laut Vattenfall vermutlich frühestens ab April wieder ans Netz gehen. Schon in den vergangenen zwei Jahren stand es wegen eines Trafo-Schadens still.

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