Atomlaufzeiten

Merkel hält Atom-Debatte für "unausweichlich"

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hält die Debatte über die Laufzeiten der deutschen Kernkraftwerke für unausweichlich. Erneut gab es in der Union parteiinterne Kritik an der abwartenden Haltung der Regierung in punkto Laufzeitverlängerung. Die Grünen wollen die NRW-Wahl zu einem Atom-Plebiszit machen.

Hochspannungsleitung© Gina Sanders / Fotolia.com

Hamburg/Frankfurt am Main (ddp/red) - Merkel verteidigte Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU), der zum Ärger der FDP wie weiten teilen der Union einen Vorstoß unternommen hatte, die Laufzeiten zu begrenzen. Bundeskanzlerin Merkel sagte der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (Donnerstagsausgabe), sie halte "den Betrieb der deutschen Kernkraftwerke nach wie vor für verantwortbar". Deutschland werde über 2020 hinaus Atomkraft brauchen. Weil aber der Anteil erneuerbarer Energien "in unglaublicher Weise" ansteige, was zeige, "wie positiv die Förderung regenerativer Energien" sei, halte sie heute "das Ersetzen der Atomkraft" für "viel realistischer" als zu ihrer Zeit als Bundesumweltministerin.

"Wir werden nun unter der Maßgabe der Versorgungssicherheit, des Strompreises und der Umwelt- und Klimaverträglichkeit den besten Pfad suchen, um in das Zeitalter der regenerativen Energien zu gelangen", sagte die Kanzlerin der Zeitung. Wie lange die Meiler Neckarwestheim 1 und Biblis A noch am Netz bleiben können, wollte die Kanzlerin nicht sagen.

Unterdessen kündigten die Grünen an, die Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen zu einer Volksabstimmung über längere Atomlaufzeiten machen zu wollen. Die NRW-Wahl werde "auch zu einer Abstimmung über die Atomkraft", sagte Parteichefin Claudia Roth der "Financial Times Deutschland" (Donnerstagsausgabe). Die Grünen berufen sich auf eine Einschätzung des Bundesumweltministeriums, wonach der Bundesrat einer Verlängerung der Laufzeiten zustimmen müsse. Sollten Union und FDP in Nordrhein-Westfalen verlieren, hätten sie auch im Bundesrat keine Mehrheit mehr.

In der Union gab es Kritik an der abwartenden Haltung der Bundesregierung. "Wir hätten die Frage der Laufzeiten gleich nach der Bundestagswahl angehen sollen", sagte CSU-Energiepolitiker Georg Nüsslein der Zeitung. Zur Begründung sagte er: "Längere Laufzeiten waren schon in das Ergebnis der Bundestagswahl eingepreist."

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