Kaltreserve

Mannheimer Kohlekraftwerk soll Stromengpässe ausgleichen

Die vieldiskutierte Kaltreserve steht vielleicht doch auf fossilen und nicht auf atomaren Beinen: Das Großkraftwerk Mannheim (GKM) könnte möglicherweise zur Schließung von Stromversorgungslücken nach der Abschaltung von acht deutschen Atomkraftwerken herhalten.

Hochspannungsmasten© Günter Menzl / Fotolia.com

Stuttgart (dapd/red) - Das baden-württembergische Umweltministerium lässt nach Angaben eines Sprechers vom Mittwoch derzeit prüfen, ob der mit Steinkohle betriebene Reserveblock 3 des Kraftwerks dafür eine Genehmigung bekommen kann.

Vor allem in Süddeutschland drohen als Folge der Abschaltung von acht Atomkraftwerken Stromengpässe, da dort viele Unternehmen ansässig sind, die viel Energie verbrauchen.

Ein Sprecher der Bundesnetzagentur widersprach aber der Darstellung der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung", wonach die Behörde gedroht habe, den abgeschalteten alten Atommeiler Philippsburg 1 zum Reservekraftwerk zu erklären, sollte die Landesregierung nicht ein Kohlekraftwerk in Mannheim endgültig als Alternativlösung garantieren. Die Bonner Behörde habe dies nur als Möglichkeit genannt, sagte der Sprecher. In Betracht komme in gleicher Weise das atomare Kraftwerk Biblis in Hessen.

Auch der Pannenmeiler Biblis sei noch nicht vom Tisch

Derzeit lässt die Bundesnetzagentur deutschlandweit alle Stromerzeugungsanlagen als Reserven prüfen, um Vorkehrungen gegen Stromengpässe zu treffen. "Wir prüfen in alle Richtungen. Es ist noch nichts beschlossen", sagte der Sprecher der Agentur. Die Ergebnisse sollen nächste Woche vorgestellt werden. Nach Angaben des Sprechers wird in Deutschland eine Reserve von 1.000 Megawatt gebraucht, was der Leistung eines Atomkraftwerks entspricht.

Das baden-württembergische Umweltministerium will die Ergebnisse seiner Prüfung für Block 3 des GKM Mannheim am kommenden Freitag bekanntgeben.

Das könnte Sie auch interessieren
  • Ökostrom

    Stilllegung Biblis: Merkel muss als Zeugin aussagen

    Das AKW Biblis wurde im Zuge des bundesweiten Atom-Moratoriums im März 2011 stillgelegt. Dafür will der Energiekonzern RWE Millionen Euro an Schadensersatz. Doch wer genau muss dafür zur Verantwortung gezogen werden: Bund oder Land? Angela Merkel wird nun als Zeugin vor Gericht gebeten.

  • Solarenergie

    Strommix im Juli: Gleiche Mengen an Atom- und Sonnenstrom

    Solaranlagen haben im vergangenen Monat erstmals soviel Strom erzeugt wie die Atomkraftwerke in Deutschland. Unter anderem waren es die günstigen Wetterbedingungen, die auch dazu führten, dass soviel Wind- und Sonnenenergie erzeugt werden konnte wie nie zuvor.

  • Hochspannungsmasten

    Atomkraftwerke werden vom Netz genommen - der aktuelle Stand

    Die Bundesregierung will alle 17 deutschen Atomkraftwerke in den nächsten drei Monaten einem eingehenden Sicherheitscheck unterziehen. Die sieben ältesten und der derzeit ohnehin stillgelegte Pannenreaktor Krümmel sollen in dieser Zeit vom Netz gehen. So sieht der aktuelle Stand bei der Abschaltung aus.

  • Hochspannungsleitung

    Regierung nimmt sieben alte Kraftwerke vom Netz

    Nach den Ereignissen in Japan beschloss die Regierung eine Sicherheitsüberprüfung für die deutschen Atommeiler. Während der Überprüfung sollen sieben alte Atomkraftwerke vom Netz genommen werden, die noch vor 1980 gebaut wurden. Dazu gehören die AKW Brunsbüttel und Neckarwestheim.

  • Hochspannungsleitung

    Defekt im Notstandssystem des AKW Biblis

    Im Atomkraftwerk (AKW) Biblis ist ein fehlerhafter Leistungsschalter ausgetauscht worden. Der Kraftwerksbetreiber RWE Power AG habe den Schaden bei einer Funktionsprüfung des Notschaltsystems im Block A bemerkt, wie das hessische Umweltministerium am Mittwoch in Wiesbaden mitteilte.

Top