Ausstieg aus Vertrag

Mainzer Kohlekraftwerk verliert HSE als Großkunden

Den Stadtwerken von Mainz und Wiesbaden ist ein möglicher Großkunde für Strom vom geplanten Kohlekraftwerk abgesprungen. Der südhessische Energiekonzern HSE habe einen Option auf den Ankauf von 120 Megawatt Strom gekündigt, Umweltschützer begrüßen den Ausstieg der HSE aus dem Vertrag.

Energieversorung© Gina Sanders / Fotolia.com

Mainz/Wiesbaden (ddp-rps). HSE kündigte einen Optionsvertrag für 120 Megawatt aus dem Kohlekraftwerk endgültig. KoMa habe schon im August 2008 von den Ausstiegsplänen der HSE gewusst und diese öffentlich gemacht, sagte Wirges. Für 23. Mai hat die Bürgerinitiative zu einer weiteren Großdemo gegen die Kraftwerkspläne in Mainz aufgerufen.

Kein Kohlestrom aus Mainz bei Entega

Die Stadtwerke Mainz und HSE sind Anteilseigner am regionalen Stromversorger Entega. Das Darmstädter Unternehmen hält 74,9 Prozent der Anteile an der Entega und hat damit die unternehmerische Leitung an der Stromversorger-Tochter. Damit sei entschieden, dass Entega keinen Kohlestrom aus dem geplanten Kraftwerk erhalte, sagte HSE-Sprecher Jürgen Hein-Benz.

Der Ausstieg aus dem Optionsvertrag sei aus ökonomischen und ökologischen Gründen erfolgt. Die Entega, die hauptsächlich Kunden in Mainz und Südhessen versorgt, sei auf Ökostrom fokussiert, sagte Hein-Benz. HSE sei aber nicht grundsätzlich gegen Kohlestrom, betonte Hein-Benz. Vertretbar sei es, wenn ein ineffizienteres Kohlekraftwerk durch ein neues ersetzt würde oder wenn durch Einsatz von Kraft-Wärme-Kopplung der Brennstoff-Nutzungsgrad signifikant erhöht werde.

Kraftwerksgegner fordern Aufgabe des Projektes

Die Bürgerinitiative Kohlefreies Mainz (KoMa) begrüßt den Ausstieg des Darmstädter Energieunternehmens HSE aus dem Optionsvertrag für das geplante Kohlekraftwerk auf der Ingelheimer Aue. Die Kraftwerke Mainz-Wiesbaden (KMW) sollten nun das Projekt aufgeben, forderte der zweite Vorsitzende der Initiative, Christoph Wirges, am Freitag in Mainz. Mehrere Aufsichtsratsmitglieder der Stadtwerke Mainz beklagten unterdessen, dass der Vorstand bisher keine wirtschaftlichen Berechnungen für das Kraftwerk vorgelegt habe.

"Die HSE erkennt die Zeichen der Zeit und erteilt dem Kohlestrom der KMW eine Absage", sagte Tabea Rößner, stellvertretende Fraktionssprecherin der Grünen im Mainzer Stadtrat. "Nach dem Absprung eines der wichtigsten zukünftigen Abnehmer ist der 820-Megawatt-Anlage nun endgültig die ökonomische Grundlage entzogen."

Finanzierung des Kraftwerks wackelig

"Die Absatzmöglichkeiten für Kohlestrom schwinden, das verschärft unsere Bedenken", sagte Ansgar Helm-Becker (Grüne), Mitglied des Aufsichtsrats der Stadtwerke Mainz, einem der Anteilseigner der KMW. Schon vor dem Ausstieg der HSE hätten sich die Rahmenbedingungen für die Berechnungen der Wirtschaftlichkeit des Kraftwerks stark verändert, etwa durch den gestiegenen Kohlepreis. Der Aufsichtsrat habe deshalb vor mehr als sechs Wochen die wirtschaftlichen Berechnungen für das Kohlekraftwerk angefragt und bisher keine Antwort bekommen. "Bei einem Projekt, das 1,2 Milliarden Euro kosten soll, ist uns nicht klar, ob es überhaupt finanzierbar ist", kritisierte Aufsichtsratsmitglied Andrea Litzenburger (CDU).

Kein Kommentar vom Kraftwerksbauer

Die Kraftwerke Mainz-Wiesbaden AG (KMW) wollen das rund eine Milliarde Euro teuere Kraftwerk mit einer Kapazität von 800 Megawatt auf der Ingelheimer Aue bauen. Die Struktur- und Genehmigungsdirektion Süd in Neustadt hatte vor kurzem eine erste Teilgenehmigung erteilt. Sowohl in Mainz als auch im benachbarten Wiesbaden gibt es erheblichen Widerstand gegen den Bau. Die KMW wollte sich nicht zu der Kündigung äußern.

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