Finanzierung unklar

Mainzer Kohlekraftwerk offenbar auf der Kippe

Im Aufsichtsrat der Kraftwerke Mainz Wiesbaden (KMW) AG wachsen Zweifel an der Realisierbarkeit des auf der Ingelheimer Aue geplanten Kohlekraftwerks. Die Finanzierung des Projektes stünde auf der Kippe, da Banken derzeit nur zögerlich Kredite vergeben. Auch die Mainzer SPD, die das Projekt vorangetrieben hatte, hält offenbar nicht mehr uneingeschränkt daran fest.

Hochspannungsleitung© Gina Sanders / Fotolia.com

Mainz/Wiesbaden (ddp-hes/red) - Die Frage, ob die Anlage tatsächlich gebaut wird, könne derzeit niemand mit Sicherheit beantworten, sagte Aufsichtsratsmitglied und Fraktionschef der Wiesbadener CDU, Bernhard Lorenz, der "Allgemeinen Zeitung Mainz". Die Chancen stünden 50 zu 50.

Probleme bei Finanzierung des Kraftwerks

Der Bau steht Lorenz zufolge vor allem aus Gründen der Finanzierung auf der Kippe. "Was früher leicht zu finanzieren war, wird heute kritisch gesehen", sagte er. Die Banken zeigten sich momentan sehr zögerlich, selbst "kerngesunden Unternehmen wie der KMW" Geld für Projekte wie das Kohlekraftwerk zu geben. Das Kraftwerk zwischen Mainz und Wiesbaden sei eines "der größten zu finanzierenden Projekte in Deutschland seit Ausbruch der Finanzkrise". Bis Dezember müsse ein Kreditgeber gefunden sein. Andernfalls habe der Anlagenbauer Siemens die Möglichkeit, aus dem Vertrag auszusteigen.

Der Chef der Mainzer SPD, Staatssekretär Michael Ebling, sagte dem Südwestrundfunk (SWR), sollte die Finanzierung nicht gesichert sein, werde auch die SPD nicht weiter an dem Projekt festhalten. Dann müssten Alternativen erwogen werden.

Bau begonnen und schon unterbrochen

Der in der Bevölkerung massiv kritisierte Kraftwerksbau ist momentan noch Gegenstand einer Reihe juristischer Streitigkeiten. Der Bau begann offiziell im Mai, wurde aber wegen der laufenden Prozesse auf Betreiben des rheinland-pfälzischen Oberverwaltungsgerichts zunächst unterbrochen. Die Kosten des Projekts liegen bei weit über einer Milliarde Euro. Die Anlage soll 2013/2014 in Betrieb gehen.

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