Anwohner getäuscht

Magazin: Forschungsbergwerk Asse war inoffizielles Endlager

Öffentlichkeit und Anwohner sind einem Medienbericht zufolge offensichtlich vor Jahrzehnten über den Zweck des Atommülllagers Asse getäuscht worden. Das 1965 offiziell zu Forschungszwecken eingerichtete Atommülllager sei von Anfang an faktisch als Endlager genutzt worden, berichtete das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel".

Hochspannungsmasten© Günter Menzl / Fotolia.com

Hamburg (ddp/sm) - Aus Unterlagen gehe hervor, dass die Projektgruppe "Endlagerung radioaktiver Abfälle" 1964 nach der Begehung des Standorts notiert habe, es könnten "bereits ab 1965 sämtliche Einlagerungswünsche" erfüllt werden.

Das Blatt zitierte aus einem Brief der Asse-Betreiber aus dem Jahr 1971 an die Physikalisch-Technische Bundesanstalt, in dem es heißt: "Wie Ihnen bekannt ist, handelt es sich bei der Einlagerung von Kernbrennstoffen und von radioaktiven Stoffen um die endgültige Beseitigung dieser Stoffe. Die Einlagerungsmethoden erlauben es nicht, diese Stoffe wieder auszulagern." Nach Aussagen früherer Asse-Mitarbeiter wurden dem Bericht zufolge "in den ersten Jahren Fässer angeliefert, die zum Teil bereits durchkorrodiert waren und Flüssigkeiten verloren". Fässer seien "im Verlauf der Stapelung auch zerdrückt" worden.

Die Risiken des Mülldepots waren laut Spiegel früh bekannt: Bereits 1967 hätten die Betreiber gewusst, "dass für die Asse als möglicher maximaler Unfall nur das Ersaufen der Grube in Betracht kommt".

Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) und die Landesregierung Niedersachsens haben dem Bericht zufolge den Schacht, in dem bis 1979 Atommüll verbracht wurde, untersuchen lassen. In dieser Woche wollten sie einen Statusbericht vorlegen, hieß es.

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