Recherchen

Magazin: Behörden verschleiern Herkunft des Atommülls in der Asse

Bundes- und Landesbehörden haben nach Recherchen des ARD-Magazins "Panorama", das am heutigen Donnerstag gesendet wird, die Herkunft der 126.000 Fässer schwach- und mittelradioaktiven Materials im Atommülllager Asse jahrelang verschleiert.

Strompreise© Andre Bonn / Fotolia.com

Hamburg (sm) - Tatsächlich stamme ein erheblich größerer Teil aus kommerziellen Atomkraftwerken als bisher behauptet, so "Panorama".

Das Bundesforschungsministerium habe noch vor wenigen Tagen auf schriftliche Anfrage von "Panorama" erklärt: "Etwa 30 Prozent der Abfallgebinde stammen aus der kommerziellen Energiewirtschaft, sie machen allerdings nur etwa 5 Prozent des radioaktiven Inventars der Schachtanlage Asse aus." Im Interview mit dem Magazin habe Staatssekretär Frieder Meyer-Krahmer bekräftigt: "Der größte Teil kommt aus öffentlichen Forschungseinrichtungen".

Damit verschleiere das Ministerium die Tatsache, dass es sich bei dem Müll aus Forschungseinrichtungen überwiegend um Abfälle handelt, die bei der Bearbeitung von Brennstäben aus kommerziellen Atomkraftwerken entstanden sind. Aus einem Inventarbericht der Asse gehe hervor, dass 70 Prozent der in der Asse eingelagerten Radioaktivität kommerziellen Atomkraftwerken zuzuordnen ist. Das Bundesforschungsministerium interpretiert diesen Bericht anders und weist den Vorwurf der Täuschung zurück.

Auch den Staatssekretär im Umweltministerium, Michael Müller, hatte das Forschungsministerium dem Bericht zufolge missverständlich informiert. In einer Fragestunde im Bundestag im Oktober letzten Jahres hatte Michael Müller gesagt: "... Die an die Asse abgegebenen Abfälle stammten nicht von den Energieversorgern." Auf Nachfrage von "Panorama" habe das Umweltministerium bestätigt, diese Informationen so vom Bundesforschungsministerium erhalten zu haben.

Mit Blick auf das Salzbergwerk Asse hatten die zuständigen Ministerien und Behörden immer wieder den Forschungscharakter der Anlage betont. Für den dort gelagerten Müll sei daher der Bund - also der Steuerzahler - zuständig. Erste Schätzungen gehen davon aus, dass die Sanierung zwei Milliarden Euro und mehr kosten wird.

Aus einem Briefwechsel, der "Panorama" vorliege, gehe allerdings hervor, dass das Forschungsministerium schon zu Beginn der Einlagerung des Atommülls in der Asse darüber informiert war, dass es sich nicht um Einlagerungen im Rahmen eines Versuchs handelte. So baten die Betreiber der Wiederaufbereitungsanlage Karlsruhe im Jahr 1965 schriftlich, rasch mit der Einlagerung ihres Atommülls in der Asse beginnen zu dürfen, ansonsten hätten sie eine Lagerhalle für den Müll bauen müssen.

Das wollten sie "angesichts der Finanzlage dringend vermeiden". Die Gesellschaft für Strahlenforschung, die die Einlagerung in der Asse betrieb, warnte daraufhin das Ministerium, es handele sich "nicht um eine Versuchslagerung", vielmehr um eine "Massenanlieferung von radioaktiven Rückständen". Dennoch erteilten die zuständigen Behörden die nötigen Genehmigungen.

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