Konsortialvertrag

Machtkampf um Leipziger Verbundnetz Gas AG spitzt sich zu

Der Machtkampf um die Leipziger Verbundnetz Gas AG (VNG) spitzt sich zu. Die Stadtwerke Jena-Pößneck haben sich als einziges kommunales ostdeutsches Unternehmen dem Schiedsgerichtsverfahren der EWE angeschlossen. Grund für das Verfahren sei die fristlose Kündigung des Konsortialvertrages durch elf ostdeutsche Stadtwerke Anfang September.

Energieversorung© Gina Sanders / Fotolia.com

Jena (ddp-lth/sm) - Die elf Stadtwerke sind in der Beteiligungsgesellschaft VNG-VuB zusammengeschlossen. Deren Geschäftsführer Andreas Reinhardt erhob schwere Vorwürfe gegen die Stadtwerke Jena-Pößneck.

Er habe mit "großem Unverständnis" auf das Verhalten des kommunalen Thüringer Unternehmens reagiert, sagte Reinhardt in Erfurt. "Sie lassen sich kaufen für eine Klage gegen die neuen Bundesländer", kritisierte er. Die Jenaer hätten bereits einen Kaufvertrag mit der EWE über ihre VNG-Anteile abgeschlossen. Das Oldenburger Unternehmen habe die Stadtwerke Jena-Pößneck mit einem "strategischen Preis" gelockt, um an sein Ziel zu gelangen - die Anteilsmehrheit an der VNG. Die EWE werde diesen erhöhten Preis für Aktien des Leipziger Gasversorgers aber nur so lange zahlen, bis sie dieses Ziel erreicht hat. "Wir sichern jetzt das Vermögen der anderen Stadtwerke, die nicht verkaufen wollen", erklärte Reinhardt.

EWE versucht seit längerem, mehr Einfluss bei VNG zu bekommen. Deshalb will der Versorger VNG-Anteile ostdeutscher Stadtwerke übernehmen. Diese würden dann ihre Sperrminorität von derzeit 25,79 Prozent verlieren, während EWE seinen Anteil von bisher 47,9 Prozent auf über 50 Prozent anheben könnte.

Die Sprecherin der Stadtwerke Jena-Pößneck, Ines Zaremba, argumentierte, dass der Konsortialvertrag "die Grundlage der Zusammenarbeit der kommunalen Partner" sei. Er sichere VNG den Standort und die Arbeitsplätze in Leipzig bis zum Jahr 2023, betonte sie. Diese Basis wolle ihr Unternehmen nicht aufgeben. Der Konsortialvertrag sichert EWE allerdings auch ein Vorkaufsrecht für die VNG-Anteile der ostdeutschen Stadtwerke zu. Reinhardt sagte dagegen, dass die Sicherung des VNG-Standortes Leipzig nicht abhängig von dem Konsortialvertrag sei.

Die Stadtwerke Jena-Pößneck haben sich nach den Worten Zarembas dem Schiedsgerichtsverfahren der Oldenburger EWE auch angeschlossen, weil sie wegen der Vertragskündigung Schadensersatzklagen in dreistelliger Millionenhöhe befürchten. "Wir müssen unser Vermögen schützen", sagte sie. Als Gegenleistung zu dem 2003 geschlossenen Vertrag war den Kommunen ein Darlehen gewährt worden. EWE behält sich deshalb nun die Rückforderung dieses Betrags sowie die Geltendmachung von Schadenersatz vor.

Reinhardt sieht dagegen keine rechtliche Grundlage für eine Schadensersatzklage der EWE. "Das ist eine Drohkulisse in der Öffentlichkeit, um die vermeintlich naiven ostdeutschen Stadtwerke niederzuringen", betonte der VuB-Chef.

Das könnte Sie auch interessieren
  • Geld sparen

    Analyse: Netzentgelt bei vielen Gas-Verträgen steigt

    Das Netzentgelt wird nicht nur bei den Stromanbietern teurer. Auch die Gasversorger ziehen einer Analyse zufolge die Preise an. Die Kosten für den Gastransport machen demzufolge mittlerweile 30 Prozent der Gasrechnung aus.

  • Hochspannungsmasten

    Gasimporteur VNG steigert Gewinn um 20 Prozent

    Der Erdgasimporteur Verbundnetz Gas AG (VNG) hat 2009 trotz der Wirtschaftskrise das beste Jahresergebnis seiner Firmengeschichte erreicht. Vorstandsvorsitzender Klaus-Ewald Holst sagte am Mittwoch in Leipzig, dass sein Unternehmen einen Gewinn von 170 Millionen Euro und damit 20 Prozent mehr als 2008 erwirtschaftet habe.

  • Stromnetz Ausbau

    VNG schließt Erdgas-Liefervertrag mit polnischer Firma

    Der um seine Eigenständigkeit ringende ostdeutsche Energieversorger Verbundnetz Gas AG (VNG) hat mit dem polnischen Marktführer Polskie Górnictwo Naftowe i Gazownictwo S.A.(PGNiG) einen Vertrag über Erdgaslieferungen abgeschlossen.

  • Stromnetz Ausbau

    Verbundnetzgas AG verkauft ihr Flüssiggasgeschäft

    Der um seine Eigenständigkeit ringende ostdeutsche Energieversorger Verbundnetz Gas AG (VNG) wird sein Flüssiggasgeschäft an die Gugas GmbH in Altentreptow verkaufen. Das Geschäft werde heute wirksam, teilte die VNG in Leipzig am Dienstag mit.

  • Stromnetz Ausbau

    Zeitung: Stadtwerke Halle verlassen VNG-Beteiligungsgesellschaft

    Der ostdeutsche Energieversorger Verbundnetz Gas AG (VNG) muss weiter um seine Eigenständigkeit bangen. Die Stadtwerke Halle verlassen einem Zeitungsbericht zufolge zum Ende des Jahres die Beteiligungsgesellschaft VNG-VuB.

Top