Am Greifswalder Bodden

Lubmin: Bauboom beginnt im Herbst

Auf dem größten neuen Industriestandort Vorpommerns in Lubmin werden ab Herbst u.a. zwei Gas- und Dampfkraftwerke gebaut. Das Hamburger Unternehmen Concord Power will unmittelbar am Hafen ein 1200-Megawatt-Kraftwerk mit 50 Mitarbeitern errichten. Daneben plant die EnBW ein Gaskraftwerk ähnlicher Größe.

Hochspannungsleitung© Gina Sanders / Fotolia.com

Lubmin (ddp-nrd/sm) - Die Standortbedingungen könnten perfekter kaum sein: Anschlüsse für Wasser, Strom, Gas und Abwasser sind längst vorhanden. Es gibt direkte Bahn- und Straßenanbindungen. Und das Areal liegt unmittelbar am Wasser. Am Ufer des Greifswalder Boddens ragen zwei neue Granitstein-Molen fast 590 Meter weit in die See. Die 100 Meter breite und sieben Meter tiefe Schiffszufahrt gehört zum neuen Hafen Lubmin, für dessen Bau das Land Mecklenburg-Vorpommern allein 29 Millionen Euro aufbrachte.

Auf dem größten neuen Industriestandort Vorpommerns in Lubmin ist der rote Teppich für die lange umworbenen Investoren gelegt. Nun sollen im Herbst die Bautrupps an den Bodden rücken. Fast 15 Jahre nach der Abschaltung des ostdeutschen Kernkraftwerks Greifswald steht das einstige Energiezentrum vor einem Bauboom. Am Südufer des Boddens, wo einst erwärmtes Kühlwasser aus einem Auslaufkanal in die Ostsee floss, sollen weit über 1,5 Milliarden Euro verbaut werden.

Mit jeweils knapp 500 Millionen Euro sind der Bau von zwei Gas- und Dampfkraftwerken die größten derzeit geplanten Investitionen. Das Hamburger Unternehmen Concord Power will unmittelbar am Hafen ein 1200-Megawatt-Kraftwerk mit 50 Mitarbeitern errichten, für dessen Bau inzwischen alle Genehmigungen vorliegen. Es soll 2007 in Betrieb gehen, ebenso wie das daneben geplante Gaskraftwerk ähnlicher Größe, das im Verbund mit der EnBW Kraftwerke AG errichtet werden soll. "Wir gehen davon aus, dass spätestens ab Oktober gebaut wird", sagt Jürgen Broszinski, Sprecher der Energiewerke Nord GmbH, die den Standort vermarktet und schon etwa 30 kleine Firmen nach Lubmin holte.

Gespeist werden beide Kraftwerke mit russischem Erdgas aus einer neuen Pipeline, die über 210 Kilometer vom Anschluss im brandenburgischen Börnicke bis nach Lubmin verlaufen soll. Die Ausschreibung für die fast 200 Millionen Euro teure Leitung mit einem Stundendurchsatz von 200 000 Kubikmetern läuft derzeit. Zudem verhandelt der deutsche Chemiekonzern BASF mit dem russischen Energieriesen Gasprom über den Bau einer Gasleitung quer durch die Ostsee, über die bis 45 Millionen Tonnen Erdgas pro Jahr für Westeuropa gepumpt werden können. Die Anlandestation der 2,8 Milliarden Euro kostenden Pipeline soll am Lubminer Hafen entstehen. Die Inbetriebnahme ist für 2010 vorgesehen.

Schon vor Ort ist die Firma BP Solar, die Ende 2004 mit privaten Anlegern nordöstlich des Hafens ein Solarkraftwerk mit einer Leistung von 1,8 Megawatt errichtete. Die 1,2 Kilometer lange Photovoltaikanlage soll wegen der guten Einstrahlungswerte am Bodden demnächst erweitert werden. Unter anderem wird geprüft, ob das Dach des atomaren Zwischenlagers Nord gleich nebenan mit Reflektoren bestückt werden kann.

Nachdem sich Pläne zur Ansiedelung der Holzindustrie in Lubmin zerschlugen, haben Biomasse-Verwerter den Standort für sich entdeckt. Für 25 Millionen Euro will zum Beispiel die Firmengruppe ECANOL aus Plau eine Anlage zur Herstellung von Biodiesel aus Raps bauen. Das Werk soll schon 2006 auf einer inzwischen erworbenen Fläche in Betrieb gehen. Zudem plant die sächsische Choren-Gruppe in Lubmin die weltweit erste industrielle Raffinerie für so genannten Sundiesel. Ab 2008 sollen in der 400-Millionen-Euro-Anlage jährlich eine Million Tonnen Holz, Stroh, Mais und Chinaschilf zu 225 Millionen Liter synthetischem Dieselkraftstoff vergast werden.

Von ddp-Korrespondent Ralph Sommer

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