Notfallplan

Linke: Asse-Flutung würde Großraum Braunschweig unbewohnbar machen

Die Zweifel am Notfallplan des Bundesamts für Strahlenschutz (BfS) für den Fall eines Kollapses des einsturzgefährdeten Atommülllagers Asse wachsen. Ein Umweltexperte der Linken warnte, eine Flutung des Salzstocks könne erschreckende Folgen haben.

Strompreise© Andre Bonn / Fotolia.com

Hannover (ddp/red) - Der Plan schließt zur Gefahrenabwehr die Flutung des Salzstocks bei Wolfenbüttel mit einer salzhaltigen Lösung nicht aus. Dies werde zu einer 2000fachen Überschreitung der Grenzwerte führen, mahnte Linke-Umweltexperte Kurt Herzog am Montag in Hannover. Ihm zufolge könnte die Region um die Asse inklusive des Großraums Braunschweig unbewohnbar werden. Auch Bürgerinitiativen hatten sich bereits gegen die Flutung der Asse ausgesprochen.

BfS-Präsident Wolfram König hatte dem Umweltausschuss des Landtags am Montagvormittag den Notfallplan vorgestellt, wie man das einsturzgefährdete Atommülllager gegen mögliche massive Wassereinbrüche sichern will. In die Asse sickern täglich zwölf Kubikmeter Wasser ein. Die Zuflussmenge kann sich aber jederzeit derart erhöhen, dass der Salzstock kurzfristig zusammenstürzen könnte. Nach BfS-Berechnungen hält die Asse einem täglichen Wasserzufluss von bis zu 500 Kubikmetern Stand.

Ein Sprecher des BfS bezeichnete die Befürchtungen der Linkspartei als "Unsinn". Es sei im Zusammenhang mit der Asse keine Situation denkbar, die den Großraum Braunschweig unbewohnbar machen würde. Die Notfallmaßnahmen des BfS dienten gerade dazu, dass der "Worst Case" verhindert werde, betonte er.

Im Salzstock Asse II lagern nach offiziellen Angaben 126 000 Fässer mit schwach- und mittelradioaktivem Atommüll. Zuletzt mehrten sich die Hinweise darauf, dass aber auch hochradioaktive Altlasten dorthin verbracht wurden. Was genau in der Asse liegt, klärt derzeit ein Parlamentarischer Untersuchungsausschuss des niedersächsischen Landtags.

Das könnte Sie auch interessieren
  • Atommüll

    Asse hätte nie Atomendlager werden dürfen

    In dem ehemaligen Salzbergwerk Asse bei Wolfenbüttel hätte nach den Erkenntnissen des Untersuchungsausschusses in Hannover niemals ein Atomendlager eingerichtet werden dürfen. Der Ausschuss des niedersächsischen Landtages schloss am Donnerstag nach mehr als drei Jahren, 71 Sitzungen und der Vernehmung von mehr als 50 Zeugen seine Arbeit ab.

  • Peter Altmaier

    Altmaier: Asse-Müll wird hochgeholt

    Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) hat sich zur Rückholung des Atommülls aus dem maroden Salzbergwerk Asse bekannt. "Ich bin für die Rückholung, wenn sie möglich ist. Und ich werde alles versuchen, damit sie möglich wird", sagte Altmaier der "Braunschweiger Zeitung" (Dienstagsausgabe). Darauf könnten sich alle Beteiligten verlassen.

  • Stromtarife

    Niedersachsens CDU wirft BfS-Chef Parteinahme vor

    Die CDU in Niedersachsen wirft dem Präsidenten des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS), Wolfram König, Parteinahme für Umweltminister Gabriel und die Anti-Atom-Bewegung vor. König lasse in Wahlkampfzeiten "jegliche Zurückhaltung vermissen", sagte der umweltpolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, Martin Bäumer.

  • Stromtarife

    SPD: Asse wurde aus Kostengründen Entsorgungsstandort

    Bei der Entscheidung zur Einrichtung des mittlerweile maroden Atommülllagers in der Asse bei Wolfenbüttel haben nach Ansicht der niedersächsischen SPD-Fraktion seinerzeit Kostengründe anstatt von Sicherheitsaspekten den Ausschlag gegeben.

  • Stromtarife

    Löwenanteil des Asse-Mülls aus süddeutschen AKW

    Der bei weitem größte Teil der radioaktiven Abfälle im Atommülllager Asse kommt nach offiziellen Angaben aus süddeutschen Kernkraftwerken, teilweise über den Umweg des Kernforschungszentrums Karlsruhe, wie eine aktuelle Statistik des BfS zeigt.

Top