In Nürnberg

Letzter Kohlezug im Heizkraftwerk Sandreuth entleert

In Nürnberg ging gestern eine Ära zu Ende: Der letzte Kohlezug für das Heizkraftwerk ist auf dem Betriebsgelände in Nürnberg-Sandreuth eingetroffen. Der Zug kam aus der Zeche Wirek in Polen. Anfang Mai wird die neue GuD-Anlage ihren Betrieb aufnehmen und die Nürnberger Haushalte mit Fernwärme versorgen.

Strom sparen© Gina Sanders / Fotolia.com

Nürnberg (red) - Ein historischer Moment in der über 100-jährigen Geschichte des N-ERGIE Betriebsgeländes Sandreuth. Denn mit der Inbetriebnahme der neuen Gas- und Dampf (GuD) Anlage am Heizkraftwerk Sandreuth wird zukünftig Erdgas zur Strom- und Fernwärmeproduktion eingesetzt. Dadurch wird der Kohlendioxidausstoß um bis zu 140 000 Tonnen pro Jahr reduziert bei einer gleichzeitigen Verdoppelung der Stromproduktion.

Seit 1901 bestand auf dem Sandreuther Gelände ein Gleisanschluss, den Gleisbetrieb führte die Königlich Bayerische Staatsbahn. 1920 übernahm das Gaswerk den gesamten Rangierbetrieb auf dem städtischen Industriegebiet. Wegen der Explosionsgefahr im Gaswerk durften nur feuerlose Lokomotiven, so genannte Dampfspeicherloks, eingesetzt werden. 1958 verfügte die Rangierabteilung des Gaswerks über zwei Dampfloks, eine Diesellok, zwei feuerlose Loks sowie eine E-Lok. Zum Jahreswechsel 1978/79 übergaben die Städtischen Werke den Rangierbetrieb wieder an die Deutsche Bahn AG. Zwei Jahre gab es keinen Schienen-Werksverkehrs in Sandreuth, bis zum 27.11.1980 das neue Kohleentladegleis für das Heizkraftwerk in Betrieb ging.

Mit Inbetriebnahme des Heizkraftwerkes Sandreuth im Jahre 1982 wurde in regelmäßigen Abständen Kohle zur Verfeuerung im Heizkraftwerk angeliefert. Zwischen 1000 und 1500 Tonnen fassten die Steinkohlezüge, die von der Duisburger Zeche Walsum im Ruhrgebiet, der Zeche Wirek (Polen) oder der Zeche Lazy (Tschechien) kamen. In den 23 Jahren trafen über 2700 Kohlezüge mit einer Gesamtlänge von 1335 Kilometern in Sandreuth ein, das entspricht einer Entfernung zwischen Nürnberg und Neapel. Jeder Kohlezug hatte 23 Waggons und ein einzelner Waggon für importierte Steinkohle fasst knapp 50 Tonnen. Bei Lieferungen aus dem Ruhrgebiet wurden Kohlewaggons eingesetzt, die bis zu 64 Tonnen fassten. So wurden in den vergangenen 23 Jahren in Nürnberg-Sandreuth etwa 3,5 Millionen Tonnen Steinkohle angeliefert, das ergibt eine jährliche Lieferung von etwa 150 000 Tonnen.

Anfang Mai wird die GuD-Anlage ihren Betrieb aufnehmen und die Nürnberger Haushalte mit Fernwärme versorgen. Etwa 52 000 Haushalte sind an das Fernwärmenetz angeschlossen. Gleichzeitig steigt die Stromproduktion mit der neuen Anlage von 440 Gigawattstunden pro Jahr auf über 940 Gigawattstunden pro Jahr.

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