Schließung zum Jahreswechsel

Letzte Kohle auf Zeche Lippe in Gelsenkirchen gefördert

Im Zuge des Ausstiegs aus der subventionierten Kohleförderung hat als zweite Zeche in diesem Jahr das Bergwerk Lippe in Gelsenkirchen seine Förderung eingestellt. Bereits am 12. Dezember sei die letzte Kohle gewonnen, am Freitagvormittag trafen sich rund 1500 Beschäftigte zur letzten gemeinsamen Betriebsversammlung.

Energieversorung© Gina Sanders / Fotolia.com

Gelsenkirchen (ddp-nrw/sm) - Das Bergwerk schließt offiziell am 1. Januar 2009 und damit ein Jahr vor dem ursprünglich geplanten Termin. "Die Schließung eines Bergwerkes ist kein Tagesgeschäft und wird aus Sicht des Vorstandes auch nie eines werden", sagte der Belegschaftsvorstand der RAG, Peter Schrimpf. Mit der Zeche Lippe verlasse der Bergbau die "ehemals größte Bergbaumetropole Europas." Allein 2008 seien in Lippe noch 1,6 Millionen Tonnen der bundesweit 17 Millionen Tonnen Kohle gefördert worden.

Von den zur Jahreswende noch 1266 Beschäftigten am Gelsenkirchener Standort werden laut Schrimpf etwa 1000 in andere Zechen wechseln. Die anderen sollen Restarbeiten am Bergwerk erledigen oder gehen in den Ruhestand.

Mit der Schließung der Zeche Lippe gehe für Gelsenkirchen nach rund 100 Jahren ein "starkes Stück Industriegeschichte zu Ende", sagte der Oberbürgermeister der Stadt Gelsenkirchen, Frank Baranowski (SPD). Obwohl die Mitarbeiter an andere Standorte verlagert würden, sei der Wegfall der Arbeits- und Ausbildungsplätze für die Region kaum zu kompensieren. Damit es auch nach dem Aus der Zeche weitergehe, forderte er, einen Teil der nun eingesparten Subventionen der Kohleförderung in die Infrastruktur in den Kohlerückzugsgebieten zu investieren.

Bereits im April 2008 war bekanntgeworden, dass das Bergwerk Lippe früher als geplant seinen Betrieb einstellt. Die RAG hatte ausschließlich betriebswirtschaftliche Gründe für die vorgezogene Schließung angebracht. So habe das Kostenniveau in den vergangenen Jahren über dem Durchschnitt der anderen Bergwerke gelegen.

Eine bereits gegründete "Projektgemeinschaft Bergwerk Wersterholt" soll den Angaben zufolge eine nachhaltige und Arbeitsplatz schaffende Folgenutzung des Bergwerks Lippe vorantreiben. Das rund 30 Hektar große Gelände wird dann sowohl gewerblich als auch für Wohnungen genutzt.

2009 betreibt RAG nur noch sechs Bergwerke

Nach dem Ende der Zeche Lippe betreibt die RAG noch fünf Bergwerke in Nordrhein-Westfalen und ein Bergwerk im Saarland. Die Zeche Walsum in Duisburg war bereits im Sommer dieses Jahres geschlossen worden. Das Bergwerk Ost in Hamm soll dann zum 30. September 2010 schließen.

Das Bergwerk Saar im Saarland, in dem nach einem Beben vorübergehend die Arbeit eingestellt worden war, wird rückwirkend zum 1. Mai teilweise stillgelegt. Der Termin für die endgültige Schließung ist der 1. Juli 2010. Ob es wirklich zu dem endgültigen Aus für die subventionierte Kohleförderung bis 2018 kommt, soll im Jahr 2012 nochmals geprüft werden.

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